Ein Papiervertrieb im Londoner Vorort Slough: Hier filmt ein BBC Dokumentationsteam den öden Büroalltag. Was auf den ersten Blick trivial erscheint, entpuppt sich schnell als einer der besten britischen Sitcoms der letzten Jahre, das sich vor Klassikern wie Blackadder oder Fawlty Towers nicht zu verstecken braucht und schon jetzt über eine riesige Fangemeinde verfügt.
Wir lernen etwa den inkompetenten Regional Manager David Brent kennen, der mehr Wert darauf legt, ein lustiger Chef zu sein als ein kompetenter - mit oft desaströsen Folgen. Mit von der Partie ist Gareth, sein pedantischer Assistent und Hobbysoldat, der in seiner persönlichen Entwicklung in der Pubertät stecken geblieben sein muss. Und wir werden Zeuge der Büroromanze zwischen dem gelangweilten Jedermann Tim und der bezaubernden Rezeptionistin Dawn, die zu Tims Bedauern aber bereits mit einem Neanderthaler von Mann liiert ist.
Die insgesamt nur 2x6 Folgen der Serie sind britischer Humor vom Feinsten, der von subtilen Beobachtungen des Büroalltags und seiner Opfer bis hin zu Fettnäpfchen kosmischen Ausmaßes reicht, in die David Brent zielsicher tappt. Ob nun David ein Motivationsseminar mit selbst geschriebenen Popsongs torpediert oder seine bizarren Tanzkünste für karitative Zwecke zur Schau stellt, Tim und Dawn sich mit ihren Scherzen über Gareths homoerotischen soldatischen Erfahrungen die Zeit verstreichen, oder eine hilflose Jobkandidatin Davids unbeholfene erotische Avancen abwehren muss - es ist schier unmöglich, bei The Office ernst zu bleiben und nicht in Lachen auszubrechen.
Besonderes Lob verdient Ricky Gervais, der gemeinsam mit Stephen Merchant nicht nur Regie führte und für die Drehbücher verantwortlich zeichnete, sondern auch vor der Kamera mit David Brent eine tragikomische Figur erschuf, die niemals ins Groteske abgleitet (wie etwa Basil Fawlty), sondern immer glaubhaft und auf dem Boden der Realität bleibt - und mit seinem unübertroffenen komödiantischen Timing allen anderen Charakteren eindeutig die Show stiehlt.
Fazit: The Office verdient seinen schnell erreichten Kultstatus unter Fans und Kritikern. Wer britischen Humor von höchster Qualität mag und "Mockumentaries" á la "This is Spinal Tap" oder "Curb your Enthusiasm" schätzt, darf The Office nicht verpassen.