Eines der am sehnlichsten erwarteten Alben dieses Jahres stammt zweifelsohne von den New Yorkern The National. Bei aller Unaufgeregtheit, die die ursprünglich aus Ohio stammende Band stets ausstrahlt und umgibt, hat sie es seit ihrem ersten Album aus dem Jahr 2001 dennoch geschafft, einen stets kaum greifbaren aber mittlerweile dennoch gewaltigen Hype zu verursachen. Vor allem in der allgegenwärtigen Vorfreude auf ihr fünftes Album „High Violet“ zeichnet sich das Ausmaß dieser Entwicklung ab: Ihre erste bestätige Club-Show in diesem Jahr im Berliner Astra war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und in den einschlägigen Musikforen werden seit Wochen Tracklist, Cover-Artwork, vorangegangene TV-Auftritte und die voraussichtliche Platzierung des Albums in den Jahres-Polls 2010 diskutiert.
Über die Qualitäten ihres am 07.05. via 4AD erscheinenden Albums lässt sich indes wenig spekulieren: The National übertreffen sich einmal mehr selbst. Auf diese simple wie einschlägige Floskel lässt sich bringen, was jeder in den elf neuen Stücken nachhören und -vollziehen können wird. Der überschwängliche Gestus, der weite Strecken ihres letzten Albums „Boxer“ (2007) bestimmt, fließt harmonischer denn je in die weit ausgelegten Kompositionen ein. Doch so sehr jedes der neuen Stücke als in und durch sich selbst funktionierender Klang-kosmos fasziniert, so wenig sind The National auch 2010 eine Band, die lupenreine Popsongs schreibt.
Beinahe majestätisch führt das unterschwellig brodelnde „Terrible Love“ in das aktuelle Werk der Band ein und setzt damit zugleich den ästhetischen Fixpunkt von „High Violet“: Die Platte lebt von der Verflechtung intelligent inszenierter Rhythmen mit den übrigen Arrangements, die neben dem typischen, sehr unmittelbaren Gitarrensound der Band auch Streicher, Blasinstrumente und das für viele Stücke maßgebliche Piano umfassen. Statt dabei stur auf Strophe-Refrain-Schemen zurückzugreifen, gelingt es The National, mit geschickt ineinander übergreifenden Patterns und schlichten, in weite Flächen gewobenen Melodiebögen jene überwältigende Spannung zu erzeugen, die das gesamte Oeuvre der Band durchzieht. Die Wirkung dieser starken Kompositionen fällt dabei meist episch („England“), hymnisch („Bloodbuzz Ohio“) oder bedächtig aus, wie in „I’m Afraid Of Everyone“. Letztlich ist es aber auch einmal mehr Matt Berningers unverkennbarer, tiefer Bariton, der „High Violet“ zu einem typischen The National Album macht.
Der lange und offene Aufnahmeprozess mag im Übrigen verantwortlich sein für das beeindruckend ausgefeilte Ergebnis. The National verfügen mittlerweile über ein eigenes Studio in unmittelbarer Nähe zum Wohnort der Band, und die entsprechende Ruhe sowie sporadisch vorbeischauende Gäste wie etwa der zwei Blocks entfernt wohnende Sufjan Stevens oder Justin Vernon (Bon Iver) haben ihr Quentchen zum Gelingen beitragen können.
Welche Energien eine solch entspannte Atmosphäre im Ergebnis freisetzen kann, zeigt dieses überragende Album. Für Fans und Kritiker gleichermaßen ein sicherer Höhepunkt des Musikjahres 2010!
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