"The Namesake" (2006), der Namensvetter, empfinde ich als zärtlich-liebevollen Film in schönen Bildern. Oft sinnlich fotographiert und mit ansprechender Hintergrundmusik unaufgeregt erzählt. - Bei einem Zugunglück verliert der junge Ashoke (Irrfan Khan/Irfan) Frau und Sohn. Er selbst überlebt schwerverletzt und wandert später nach Amerika aus. Eine Lebensgefährtin sucht er jedoch in Indien und findet diese in einer arrangierten Ehe mit Ashima (Tabu). Einfühlsam erleichtert Ashoke ihr die Eingewöhnung in Amerika - und zwischen beiden entsteht Liebe. Bald werden Kinder geboren - Gogol (Kal Penn), benannt nach dem Lieblingsautor des Vaters - und Sonia (Sahira Nair). Beide wachsen unter westlichem Einfluß auf und nähern sich ihren indischen Wurzeln bei einem Besuch in Kalkutta. Gogol bleibt jedoch zwiegespalten. Er verliebt sich in die verwöhnte New Yorkerin Maxine (Jacinda Barrett) und entfernt sich scheinbar von seiner Familie.
Einen hohen Anteil an meiner Zuneigung zu diesem Film haben die wunderbaren Hauptdarsteller Irrfan Khan und Tabu. Die Momente, in denen Ashoke seine Frau tröstet, gehören für mich zu den berührendsten. Auch der Alterungsprozess wird glaubwürdig dargestellt. - Kal Penn gefällt mir ebenfalls als junger Mann, der sich durch die Anforderungen verschiedener Kulturen laviert. - Schade übrigens, dass dem sensiblen Irrfan Khan diese Brille verpasst wurde. So bleibt sein ausdrucksstarkes Gesicht ein bisschen versteckt. - Die edle Tabu zeigt für mich wunderbar den Prozess einer empfindsamen jungen Frau hin zur würdig-selbstbewussten Schönheit.
Konflikte werden eher gedämpft gezeigt. Der Film bleibt in weiten Teilen meditativ. Die sanfte Liebe zwischen Ashoke und Ashima ergreift mich. Auch die Geduld, mit der Ashoke seinem aufmüpfigen Sohn begegnet - oder wenn er ihm die Geschichte der Namensgebung erzählt. Bewegend auch die liebevoll gestalteten Grußkarten der einsamen Ashima - und dann Ashokes Anruf aus dem Krankenhaus. - Aber es gibt auch Witziges, wenn ein Onkel dem joggenden Gogol durch Kalkutta folgen soll, Ashima mit dem Auto durch den Großstadtverkehr schleicht - oder Maxine den armen Ashoke distanzlos auf die Wange küsst.
Die deutsche Synchronfassung ist gut gelungen. Allerdings gefällt mir das englisch-hindisprachige Original besser - schon wegen der warmen indischen Stimmen. Die Hindi-Anteile wurden mit hilfreichen englischen Untertiteln versehen. - Die DVD bietet eine gute Bild- und Tonqualität. Unter den Extras befindet sich ein wunderbar gesprochener Kommentar der Regisseurin.
Der letzte Teil gerät etwas flach, wenn Gogol in die Ehe mit der egozentrischen Moushumi (Zuleikha Robinson) schlittert. Dennoch finde ich den Zwiespalt zwischen östlichen und westlichen Werten insgesamt gut dargestellt. - Mira Nairs Geschick, beeindruckende Geschichten in schönen Bildern zu erzählen, hat mir schon in "Kamasutra" gefallen. "The Namesake" kann ich ebenfalls empfehlen.