Was haben Spreadsheets, die Glühbirne, Post-It Zettel, der Flug der Gebrüder Wright und die erste Computermaus gemeinsam? Man hielt sie anfangs für bizarr und unbrauchbar. Und ähnlich erging es ihren Entwicklern. Trotzdem mag heute keiner auf diese Dinge oder ihre Möglichkeiten verzichten. Undenkbar wäre, wenn man das nicht hätte, was anfangs keiner wollte.
Mittlerweile gelten Erfinder und innovative Unternehmer nicht mehr als verschroben und schwer sozialisierbar, nein sie sind gesellschaftliches Leitbild geworden und jeder möchte das Geheimrezept für den wirtschaftlichen Erfolg einer neuen Idee haben.
Damit kennt sich der Autor aus, er war Mitglied des Teams, der Microsofts Internet Explorer zum Erfolg gegen den damals ungleich weiter verbreiteten Netscape Navigator verhalf. Lustvoll rekapituliert Berkun die Mythen, die sich um die bekannten Erfindertypen ranken, er dekonstruiert so manche Geschichte, nimmt sie auseinander und stellt sie vom Kopf auf die Füße. Die Ernüchterung, die sich bei der Lektüre der Kapitel Es gibt eine Methodik für Innovationen", Die Leute lieben neue Ideen", Der einsame Erfinder" Die beste Idee gewinnt" einstellt, ist herzerfrischend.
Die kollektiven Vorstellungen sind voller Gemeinplätze und endlich ist da mal einer, der es kenntnisreich und witzig auseinander nimmt und mit einer gewissen Systematik schlüssig neu arrangiert.
Die negativen Auswirkungen von Erfindungen werden nur kurz im letzten Kapitel angerissen, Technikfolgenabschätzung und Risikogesellschaft sind dem Autor kein Thema, aber hierzu gibt es ja reichhaltige Literatur.
Die kommentierte Bibliographie ist instruktiv und das Nachwort zur Schriftsatzgestaltung ist eine herrliche Persiflage auf überkandidelte Layoutelaborate. Dabei ist das Buch sehr ansprechend in Schriftsatz, Aufteilung und Illustrationen gestaltet. Unterhaltsam und belehrend. Das gilt im anglo-amerikanischen Sprachraum als möglich. Wird Zeit, dass im deutschen Sachbuchmarkt das auch mal einer entdeckt. Wäre wirklich innovativ.