Der Zweiteiler für das britische Fernsehen aus dem Jahre 1996 macht der
klassischen Vorlage von Wilkie Collins alle Ehre. Ein ganz besonderer Diamant steht im Mittelpunkt der Geschichte, der Moonstone. Von einem diebischen Soldaten aus dem fernen Indien mit Mörderhand entwendet, soll er nun die englische Rose, Miss Rachel Verinder, schmücken. Doch diese kann das Geschenk, welches sie zu ihrem Geburtstag erhalten hat, nur sehr kurz genießen. Noch in derselben Nacht wird der Stein gestohlen. Stecken die drei geheimnisvollen Inder dahinter, die plötzlich in der Gegend aufgetaucht sind? Oder hat einer der Festgäste die Gier übermannt? Der berühmte Sergeant Cuff nimmt die Ermittlungen auf, um das knifflige Rätsel zu lösen.
Im Hause Verinder wartet man gespannt auf die Ankunft eines jungen Mannes, der als Kind in England gelebt hat und seine Schulbildung in Deutschland genossen hat. Wie hat sich wohl der liebenswerte Junge von damals entwickelt? Das Interesse an Franklin Blake gilt jedoch nicht seiner Person allein, sondern auch dem wertvollen Schatz, den er überringen wird. Es handelt sich um den sagenumwobenen Monddiamanten, den Rachel (Keeley Hawes "
Thomas Hardy's Under the Greenwood Tree") an ihrem Geburtstag das erste Mal tragen wird. Der alte Verwalter und Butler der Familie, Gabriel Betteredge (Peter Vaughan "
Was vom Tage übrigblieb"), beobachtet mit Sorgfalt die Vorbereitun-gen für die anstehende Feier. Allerdings macht er sich ein wenig Sorgen um das neue Dienstmädchen, Rosanna Spearman, die durch die fatale Anziehungskraft des Moorufers gefährdet ist. Als er das schwermütige Mädchen dort auffindet, erscheint am Horizont die verwegene Figur eines vitalen, jungen Mannes, der den alten Herrn mit überraschender und für den Engländer wenig erwünschter Herzlichkeit begrüßt und umarmt. Natürlich ist es Mr. Blake (Greg Wise "
Sinn und Sinnlichkeit") der von Anfang an die Herzen gewinnt, auch das der empfindsamen Rosanna. Beim Anblick seiner ehemaligen Sandkastenfreundin Rachel jedoch verschlägt es ihm erst einmal die Sprache und die Liebe trifft ihn wie einen Schlag. Die Schöne scheint seine Gefühle zu erwidern und die Beziehung von einst wird mit Ausritten im Park, romantischen Spaziergängen und malerischer Gestaltung ihrer Zimmertür sowie musikalischen Vorträgen schnell wieder aufgefrischt und vertieft. Am Geburtstag trifft al-lerdings noch ein ernstzunehmender Rivale um die Gunst des Mädchens auf, der schöne Cousin Godfrey Ablewhite, der den Ruf eines Menschenfreundes genießt. Allerdings ist sich Franklin (und auch der Zuschauer) sehr sicher, dass das Herz Rachels nur ihm gehört. Als jedoch in der Nacht der Moonstone gestohlen wird, wandelt sich Miss Verinders Verhalten in drastischer Weise. Obwohl Mr. Blake mit sehr viel Energie die Ermittlungen unterstützt, erreicht er Rachel in keinster Weise mit seinen Bemühungen. Das Dienstmädchen Rosanna, das heimlich für den jungen Mann schwärmt, scheint mehr über den Dieb-stahl zu wissen und erregt die Aufmerksamkeit von Mr. Cuff. Rosanna scheint dem Druck nicht gewachsen. Als sie wieder die Nähe des Moores sucht, kommt die Hilfe der Männer zu spät und das Dienstmädchen versinkt für immer. Welches Geheimnis hielt sie bis zuletzt verborgen? Nach dem schrecklichen Ereignis laufen die Beteiligten der Geburtstagsgesellschaft auseinander. Hier endet der erste Teil des Filmes. Ungefähr ein Jahr später taucht der Monddiamant in den Schlagzeilen einer Londoner Zeitung wieder auf und auch Franklin Blake setzt die Ermittlungen mithilfe der Spürnase Cuff fort. Es folgt ein spannender und zudem ziemlich romantischer zweiter Teil.
Die Inszenierung wirkt sehr ausgewogen und harmonisch. Wie es bei BBC Produktionen Pflicht ist, wurden Ausstattung und Kulissen sehr sorgfältig und passend ausgewählt. Auch das Casting ist sehr gut. Fast alle Schauspieler dürften Freunden der englischen Literaturverfilmungen wie bekannte Freunde begegnen. Nur die Rolle des Godfrey Ablewhite wurde nicht überzeugend besetzt. Scott Handy besitzt weder das nötige Charisma, noch die beschriebene Schönheit der Buchvorlage und bleibt als einer der Hauptfiguren dieser Geschichte bedauerlicherweise seltsam blass. Dagegen ist Greg Wise als Franklin Blake eigentlich viel zu attraktiv, was man dem hinreißenden Schauspieler aber natürlich gern verzeiht. Tatsächlich sticht die Leistung von Wise aus der sehr beeindruckenden Riege namhafter Darstellerin heraus und es ist einfach unglaublich, wie viel er aus seiner Rolle herausholt. Jedes Gefühl ist in dem empfindsamen Gesicht des Franklin Blake zu lesen. Die einfühlsame Darstellung erzeugt eine große Nähe zum Zuschauer. Wirklich sehr beeindruckend.
Die DVD enthält keinerlei Extras. Man kann nur zwischen den zwei Episoden wählen oder einzelne Szenen abspielen lassen. Den Untertitel kann man dafür direkt im Menü dazu schalten. Der ist allerdings etwas dürftig. Oft erscheint bei den Dialogen fast kein Text. Zum Glück sprechen die Schauspieler fast alle recht deutlich. Und Greg Wise, dessen Figur ja eine Ausbildung in Heidelberg genossen hat, gibt sogar ein kleines, frivoles Lied auf deutsch zum Besten.
Fazit: Eine sehr gelungene Literaturverfilmung, die sich auf die wesentlichen Aspekte des Klassikers konzentriert und mit ausreichend Spannung und Romantik unterhält.