Ein Schauerroman (Gothic Novel) der härteren Sorte. 1796 erschienen, sorgte "The Monk" des nur zwanzigjährigen Matthew Lewis für Aufsehen. So etwas hatte es vorher noch nicht gegeben. Sex, Gewalt und Vergewaltigungen in detaillierter Beschreibung. Dies schockierte viele Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts, die bis dato eher an Moralschmonzetten a la Samuel Richardson, relativ harmlose Schelmenroman von Henry Fielding oder Schauerromane, die ohne explizite Gewaltdarstellungen (Ann Radcliffe) ausgekommen sind gewöhnt waren. So ist es auch nicht verwunderlich, dass "The Monk" eine neue Unterkategorie des Schauerromans ins Leben gerufen hat, die "School of Terror".
Der Madrider Mönch Ambrosio ist für seine sprachgewaltigen Predigen und seinen ehrenwerten Lebensstil bekannt. Doch schon zu Beginn des zweiten Kapitels erfahren wir, was im Inneren des Mönches vor sich geht. Seine Mitbrüder behandelt er mit einer "air of conscious superiority, in which humility's semblance combated with the reality of pride" (38). Die mit dem Teufel im Bunde stehende Matilde hat sich als Mönch verkleidet ins Kloster eingeschlichen und verführt Ambrosio. Von nun an brechen für den lüsternen Mönch alle Dämme. Nächstes Opfer der beiden ist die fünfzehnjährige Antonia.
Weiter soll nichts verraten werden, aber das nun folgende Festival an Grausamkeiten und Verstümmlungen ist auch für heutige Verhältnisse nicht ohne. Da stört es auch nicht wirklich, dass Lewis einen zweiten Handlungsstrang einführt, der die Liebesgeschichte zwischen Raymond und Agnes erzählt, den er sich auch hätte sparen können. Unverkennbar hat sich der Autor von Shakespeare inspirieren lassen. Die Gruftszene aus "Romeo and Juliet" ist nahezu eins zu eins übernommen. Aber besser gut geklaut als schlecht neu erfunden.
Fazit: Faszinierender Ausflug in die Abgründe der menschlichen Seele. Seit Erscheinen des Romans nannte man Lewis nur noch "Monk Lewis". Da wäre eigentlich Hannibal Lecter noch schmeichelhafter gewesen.