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Grafisch ist TMOS sehr gelungen. Die Umgebungen sind sehr detailliert und mit feinen Animationen aufgelockert. Während die Hintergründe komplett in 2D gehalten sind, basieren die Charaktere des Spiels auf 3D-Polygon-Modellen. Das führt leider manchmal dazu, dass das Bild ein wenig steril wirkt. Dafür entschädigen aber die grandiosen Zwischensequenzen, die qualitativ auf dem Niveau eines Final Fantasy sind.
Ein echtes Highlight des Spiels ist die äußerst aufwendige Deutsche Synchronisation. Der Hauptcharakter beispielsweise wird mit der Stimme von Manfred Lehmann ( Bruce Willis ) vertont. Seine Nachbarin Mrs. Oswald dagegen mit der dt. Stimme von Julia Roberts. Aber auch die Nebenrollen sind bis zum kleinsten Sprechpart sehr professionell besetzt. Zu gefallen weiß auch die spannende, teils dynamische Hintergrundmusik. Leider hat die gute Vertonung auch einen Haken. Aufgrund der häufigen Sprechanteile der Charaktere muss man nämlich viel Geduld mitbringen, um das sehr dialoglastige Spiel auch genießen zu können. Wenn das für Sie kein Problem darstellt und Sie ein Fable für Science-Fiction oder klassische Adventures haben, dann müssen Sie zugreifen.
Die Story um eine große Verschwörung ist sehr gut ausgearbeitet und sorgt für Spannung. Der Bedrückende Anfang baut sofort eine tolle Atmosphäre auf, die einen richtig in die Spielwelt reinzieht. Doch an einigen Punkten versagt dann später einfach die Logik, was für Ratlosigkeit sorgt. Damit ist vor allem - und das macht es eben so gravierend - das Verhalten unseres Protagonisten gemeint.
Wenn Peter seiner Nachbarin helfen will, dann kann ich mich gut einfühlen und das ist eine Situation, die ein paar Nachforschungen rechtfertigt. Wenn er aber nur aus Mitleid für eine Frau, neben der er erst seit ein paar Tagen wohnt, plötzlich um die halbe Welt fliegt, mit Tickets, die er auch noch von seinem Chef gestohlen hat, ist das für mich nicht mehr nachvollziehbar. Warum sollte er das tun? Bis zu dem Punkt gibt es nichts an dem Fall, dass ihn persönlich so betreffen würde, um das zu rechtfertigen.
Als er über seine Online-Bekanntschaft später ein Reise gewinnt, endet sein Engagement aber plötzlich. Er lässt sich zu diesem Urlaub überreden und bricht sofort auf (ohne Gepäck!).
An solchen Stellen, fühlt man sich in eine Richtung gedrängt, die man gar nicht einschlagen will. Das macht sich auch bei den Rätseln bemerkbar. Die Reihenfolge der Aufgaben ist so strikt vorgeschrieben, dass es kaum Möglichkeiten zum Experimentieren gibt. Oft muss man nur alle Orte abklappern, um die nächste sinnvolle Aktion zu finden. Die Rätsel sind zwar fast immer logisch, aber auch nicht besonders reizvoll, weil es fast nur Laufwege sind. Die Suche nach der richtigen Möglichkeit ist einfach Fleißarbeit, die auch nicht gerade versüßt wird.
Wo gute Adventures auf die Aktionen und Ideen des Helden immer ein Feedback (und sei es nur ein "Hmm, besser nicht") geben, herrscht hier Stille. Wenn ich ein Foto des Vermissten bei mir trage, würde ich das am liebsten jeder ansprechbaren Person zeigen. Aber gerade mal 2 Leute im ganzen Spiel lassen sich auf dieses Bild ansprechen. Bei allen anderen gibt es keine Reaktion. Nichtmal Peter nennt einen Grund es nicht zu tun. Das macht er nie. Was nicht zum starren Drehbuch gehört (was ausschließlich der "richtige Weg" ist) wird kommentarlos verweigert. Das kostet für mich wieder viel von der sonst tollen Atmosphäre.
Der kommen vor allem die sehr schönen Grafiken und die meist subtile Musik zu Gute. Die Schauplätze sind durchweg schön gestaltet und die Zwischensequenzen sogar exzellent gemacht und in hoher Auflösung. Nur die Charakteranimationen wirken teils sehr hölzern. Die Stimmen sind sehr schön gewählt. Bruce Willis markante Synchronstimme wirkt nur ganz selten mal etwas lustlos. Trotzdem liegt TMoS hier weit über Durchschnitt und kann punkten. Schade, dass man in den Dialogen aber sonst keinen Einfluss aufs Spiel nehmen kann. Man muss einfach brav alle Optionen abklicken und dazwischen sehr geduldig zuhören. Umso bedauerlicher, da das Spiel wirklich sehr Laber-lastig ist. Oft löst man durch einen Klick ein ganzes Gespräch aus, das in Extremfällen mehrere Minuten dauert.
Das größte Manko ist aber die völlig vermurkste Steuerung. Gerade bei der vielen Latscherei durch sehr, sehr viele, hübsche Hintergründe ist es nervtötend wenn die "Ausgänge" aus einem Bild nicht ersichtlich sind oder Peter einfach woanders hinläuft.
So muss man leider sagen, dass sich bei The Moment of Silence klare Stärken (Grafik, Sound, Verschwörungsgeschichte, filmartige Atmosphäre) und eklatante Schwächen (Steuerung, starrer Ablauf, kaum Möglichkeit zu Experimentieren, teils nicht nachvollziehbare Motivation des Helden) nahezu aufwiegen und das Spiel letztlich im Mittelmaß landet. Bei dem Potential gehört es da eigentlich nicht hin. Leider wurde zu vieles vermurkst, um in die Oberklasse zu kommen.
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