Hr. Mandelbrod steckt voller Ideen aber sie kommen in diesem Werk meiner Ansicht nach etwas ungeordnet daher. Er beginnt damit das Klassische ''Random Walk Modell'', auf der das heutige ''House of modern Finance'' basiert darzustellen, um sie dann einer Fundamentalkritik zu unterziehen. Die Annahme normalverteilter Wertpapierkurse, die um einen festen Mittelwert mit konstanter Varianz schwanken, ist, so sagt er, schlichtweg Unsinn. Außerdem hängen, entgegen dem ''Random Walk Modell'', das Ausmaß künftiger Preisschwankungen eines Wertpapiers von den Preisschwankungen in der Vergangenheit ab.
Im zweiten ''The New Way'' und dritten Teil ''The Way Ahead'' seines Buches bringt er dann etliche Ideen, die zeigen sollen, wie Fraktale und Chaos Theorie besser mit den unerforschlichen Phänomenen wirr hin und her galoppierender Börsenkurse fertig werden. Allerdings ist seine Argumentation für den Mathematiker zu dünn und für den Laien oft verwirrend. Ein Großteil der von ihm zitierten Studien gehen auf seine Tätigkeit bei IBM Anfang der 60er Jahre zurück. Er beklagt an vielen Stellen, dass in der langen Zeit danach an seiner Theorie nicht genügend gearbeitet worden wäre. Mitten im Buch kommt plötzlich, ohne so richtig in den Zusammenhang zu passen, ein Kapitel über Fraktale Bilder einschließlich den berühmten ''Mandelbrot-Männchen'' daher.
Etwas eigentümlich wirkt sein Respekt für Chartanalysen. Er schildert einen Besuch im Handelsraum der Citi-Bank, woselbst ihm erklärt worden sei, dass sie 7,5 % Rendite erwirtschaften, indem sie immer dann kaufen, wenn der Wertpapierkurs den gleitenden Durchschnittskurs von unten nach oben durchbricht. Weil es eine Art ''Momentum'' gibt, funktioniere diese Citi-Bank Strategie. Hat ein Wertpapier erst einmal Schwung, dann ist es eine ganze Weile nicht zu bremsen. Er sieht das als ein Beleg dafür, dass vergangene Preise künftige beeinflussen.
Plausibel stellt er dar, dass extreme Kursschwankungen viel wahrscheinlicher sind als sie es bei Normalverteilung sein dürften und das Risiko an der Börse folglich viel größer ist, als es die Random Walk Theorie vorhersagt. Die tatsächliche Verteilungsfunktion müßte für die Extreme viel höhere Wahrscheinlichkeiten zeigen also einen ''fat tail'' besitzen. Außerdem ist die Varianz keinesfalls konstant sondern schwankt bekanntlich selbst. Er verschweigt nicht, dass es auch innerhalb der klassischen Lehrmeinung Ansätze gibt, die diese Einwände berücksichtigen (z.B: das GARCH-Modell). Er sagt, dass diese Modelle aber viel komplizierter und nicht so elegant sind, wie der Fraktal-Ansatz. Das mag so sein, lässt sich aber anhand des Buches nicht nachvollziehen.
''It is beyond belief that we know so little about how people get rich and poor, about how they dwell in comfort and health or die in penury and disease.'' - resümiert Hr. Mandelbrod auf Seite 254. Mir ist nicht ganz klar geworden, wie Hr. Mandelbrod glaubt zur Klärung dieser großen Fragen beizutragen.