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Ähnlich wie bei der instrumentalen Chronologie zur Entstehung der Gitarre wandert Oldfields musikalischer Blick auch auf dem neuen Album durch einzelne Episoden der Menschheitsgeschichte: Christi Geburt und der damit verbundene Beginn unserer Zeitrechnung, die Inka-Kultur Perus, die Entdeckung Amerikas und der nachfolgende Sklavenhandel, die Regierung der Dogen in Venedig, die Romantik, Chicagos Gangster, der Zweite Weltkrieg und das digitale Informationszeitalter -- dies sind die Stationen, denen sich Oldfield zumeist mit orchestralem Bombast und einer kleinen Schwäche für große Gesten widmet. So springt er vom Gospel zu Rondo Veneziano, von Musical-Anklängen zu Party-Techno, von Krimimelodien zu afrikanischen Gesängen. Seine Gäste sind dabei (neben der Gitarre sowie unzähligen Computern) das London Session Orchestra, The London Handel Choir, The Grant Gospel Choir, Percussionist Gota Yashiki und DJ Pipi. Eine ambitionierte Zeitreise zum Ab- oder Entspannen. --Björn Döring
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Oldfields Absicht, einen Querschnitt der 2000-Jährigen (Musik-)Geschichte darzustellen, ist sehr löblich, und ich war von dieser Idee als ein großer Fan von ihm begeistert. Vorweg muss allerdings festgestellt werden, dass das Album mit seinen 11 Tracks einfach zu spärlich ausfällt, um diesem Anspruch einigermaßen gerecht zu werden. Oldfield ist der vermutlich größte Multi-Instrumentalist aller Zeiten, daher hätte man sich hier ein Doppelalbum erhoffen und wünschen können, dass er die alten Instrumente, die er in den 1970ern nutzte, wieder vom Dachboden holt. Stattdessen erleben wir einen Mix, in dem die Synthis vorherrschend sind, leider öfters einen stampfenden Bass im Hintergrund, und all zu selten prägnante Gitarren-Solis.
Die drei ersten Stücke gefallen mir persönlich recht gut, obwohl zu kritisieren ist, dass sie vielleicht wenig einprägsam sind. "Peace On Earth" mutet weihnachtlich an, "Pacha Mama" sehr afrikanisch mit schönen Rhythmen. Schließlich wechseln sich Licht und Schatten recht häufig ab - das orchestrale Meisterstück "Lake Constance" mit Mike an der Gitarre, "Liberation" mit Anne Frank-Zitaten und "Amber Light", das Richtung afrikanischer Gospel einschwenkt, sind ebenso wie das nahegehende "Broad Sunlit Uplands" gut bis sehr gut gelungen. Erschreckend mäßig finde ich etwa "The Doge's Palace" mit seinem Techno-Bass, ebenso wie das mäßige, fast holprige Medley "The Millennium Bell", das den Hörer mit einem auf unterem Dancefloor-Niveau daherkommenden Beginn verschreckt. Man muss sagen, dass Mike Oldfield auf diesem Album einige gute Ideen in Musik umsetzen konnte, allerdings enttäuscht er teilweise ordentlich durch die stupiden Bass-Rhythmen - nichts gegen fetzige, modernere Stücke, aber die kann man auch auf andere Art kreiren.
Die Geschichte der Musik ist eben zu komplex, um sie in 50 Minuten zusammenzufassen. Aber wären die 4-5 schwächeren Titel durch Stücke auf ähnlich hohem Niveau wie "Lake Constance" ersetzt worden und das ganze Album durch mehr Länge und Umfang tiefgründiger konzipiert worden, dann hätte man von einem wirklich gelungenen Werk sprechen können. Teilweise spielt Mike zu sehr mit nichtssagenden und sich zu oft wiederholenden Samples ("Mastermind"), die er 1994 erstmals, aber sparsamer und zielgerichteter einsetzte.
Wie auch immer, nach "Songs of Distant Earth" ist dieses Album bis 2004 das Beste von Mike Oldfield, was er in den letzten 10 Jahren abgeliefert hat, wenn man auch einräumen muss, dass er wohl nie ein Album herausgebracht hat, das neben so vielen einprägsamen Titeln gleichzeitig einige herbe Enttäuschungen, nämlich wirklen Füllstoff, mit sich brachte. Allerdings sind einige Tracks, die hier beim ersten Hören vielleicht noch unter den Tisch fallen, immer noch ausgefeilter und hörenswerter als viele Nummern seines Albums "Tres Lunas", das leider zu sehr zum Einheitsbrei verkocht wurde.
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