...ich brauche Männer mit Format." Das ist das erste, was Sergeant Will Montgomery(Ben Foster) von einem Vorgesetzten zu hören bekommt, als er in die Benachrichtigungseinheit aufgenommen wird. Montgomery ist ein Kriegsheld. Er kam schwerverletzt aus dem Irak zurück, an Auge und Bein leicht behindert. Jetzt soll er den Rest seiner Dienstzeit damit verbringen Todesnachrichten von gefallenen Soldaten an deren engste Angehörige zu überbringen. Kein einfacher Job. Aber Will Montgomery ist kein Mann der großen Worte. Er macht sich an jede Aufgabe, die man ihm stellt. Was die Arbeit nicht einfacher macht, ist sein Begleiter und Vorgesetzter Tony Stone(Woody Harrelson). Stone, ein trockener Alkoholiker, ist pedantisch, verbittert, sarkastisch und desillusioniert. Kurzum gesagt: Ein Idiot! Das ist jedenfalls Montgomerys erster Eindruck. Als das Team Montgomery/Stone gemeinsam die ersten Todesnachrichten überbringt, muss Montgomery erkennen, dass er sich keinerlei Vorstellungen über die Qualen und Ungewissheit der Angehörigen gemacht hat. Stone und er werden beleidigt, geschlagen und bespuckt. Der Job packt Will unglaublich an. Stone ist dabei keine Hilfe, denn der hangelt sich schnurgerade an Vorschriften entlang. Kein Kontakt! Niemals anfassen! Keine persönlichen Worte! Niemals Gefallener oder Verstorbener sagen! Mit Will ist das, jedenfalls auf Dauer, nicht zu machen. So kommt es über kurz oder lang zum Konflikt. Als Will dann noch Interesse für die Witwe Olivia(Samantha Morton) bekundet, weiß er bald selbst nicht mehr, wie er mit seiner Aufgabe umgehen soll...
Oren Moverman hat mit -The Messenger- einen eindringlichen, tief bewegenden Film geschaffen. Seit -Im Tal von Elah- habe ich das Thema "Kriegsaufarbeitung im eigenen Land" nicht mehr so aufrüttelnd und anspruchsvoll gesehen. Das liegt zum einen an der ausgeklügelten Story, die sich voll und ganz um die widersprüchlichen Charaktere Stone und Montgomery rankt; zum anderen an zwei Hauptdarstellern, die perfekter nicht spielen könnten. Ben Foster gibt den wortkargen, pragmatsichen Will Montgomery so gekonnt, dass wir ihm alle Sympathien schenken. Woody Harrelson schafft mit seinem Tony Stone zuerst das genaue Gegenteil davon, aber natürlich soll es dabei nicht bleiben.
Moverman hat seinen Focus auf die Daheimgebliebenen gerichtet. Wenn er Olivia, deren Mann dreimal im Irak war, sagen lässt: "Ich habe meinen Mann zum Schluss nicht mehr vermisst. Ich habe den Mann vermisst, der er vor seinem ersten Einsatz war", dann trifft das den Punkt. Es gibt keine Gewinner in diesem Krieg. Nicht im Irak und nicht in den Staaten. Wenn Will und Olivia sich behutsam annähern, dann hat das den Charme zweier verlorener Seelen, die sich ängstlich aneinander klammern. Während Stone glaubt, dass nur Stärke und Distanz dem Job gut tun, merkt Will sofort: "Wir tauchen im Leben dieser Menschen auf und wissen nichts über sie."
-The Messenger- behandelt das Trauma Krieg von feinfühlig bis drastisch hart. Das braucht es auch, um die Facetten dieses riesigen Irrtums aufzudecken. Oren Moverman hat das mit seinem Film geschafft. Das alles ohne mit erhobenem Zeigefinger oder als quälender Moralapostel aufzutreten. Es bedarf nur einer guten Story und zweier Hauptdarsteller, die gnadenlos perfekt agieren, um uns ein wenig die Augen zu öffnen. Als Bonus gibt es zusätzlich eine gute Kameraarbeit und einige Top-besetzte Nebenrollen, wie z.B. Steve Buscemi als Dale Martin, zu bewundern.
-The Messenger- ist ein wichtiger Film zu einem noch wichtigeren Thema. Wer sich dafür interessiert, sollte ihn sich anschauen. Von mir gibt es dafür die absolute Empfehlung.