In vermeintlich religiösem Wahn hat sich Jessies Mutter einen Finger abgetrennt. Seit Jessie vor Jahrzehnten Egret Island vor South Carolina verlassen hatte, war der Kontakt zu ihrer Mutter mehr und mehr eingeschlafen. Nach dem Tod des Vaters, an dem Jessie sich schuldig fühlt, hatte sich eine immer größere Distanz aufgebaut. Jetzt kehrt die Mittvierzigerin an die Stätte ihrer Kindheit zurück. Ihrer Mutter vermag sie kaum zu helfen, zu verschlossen ist diese, um ihrer Tochter die Gründe der Selbstverstümmelung darzulegen. Das nachbarliche Mönchskloster ist für beide ein Anziehungspunkt. Dort trifft Jessie auf Pater Thomas, einen Mann ihres Alters, der sich nach dem Tod seiner Frau in die Abgeschiedenheit zurückgezogen hat. In ihrer eigenen Ehe hat sich Jessie mit den Jahren verloren. Einst kreative Künstlerin, darbt sie nun ein Leben als Hausfrau und Mutter. Eine skandalöse Beziehung nimmt ihren Lauf...
„The Mermaid Chair“ ist ein Buch wie ein Gemälde, das mit eher trüben Farben Melancholie und Einsamkeit ausstrahlt. Sprachlich anspruchsvoll, gespickt mit allegorischen Bezügen, wird man mitgenommen auf eine Reise in die Vergangenheit, um zu ergründen, warum die Figuren geworden sind, wie der Leser sie kennen lernt. Mit Liebe zum Detail beschreibt die Autorin aus Sicht der Protagonistin die idyllisch gelegene Insel, Landschaft und Bewohner. Die Anziehungskraft zwischen der Frau und dem Geistlichen ist nicht von Anfang an nachvollziehbar, erst im weiteren Verlauf der Beziehung wird deutlich, dass ihr ein Gefühl tiefer Sehnsucht zugrunde liegt. Abschiednehmen bedeutet nicht nur Verlust, sondern beinhaltet auch einen Neuanfang, was eine tröstliche Note und einen Hoffnungsschimmer verleiht.