"Men who stare at goats" ist ein Buch, auf das ich womöglich nie aufmerksam geworden wäre, hätte ich nicht
den gleichnamigen Film mit George Clooney und Jeff Bridges gesehen. Ich liebe den Film. Im Bonusmaterial wurde immer wieder betont, dass weit mehr im Film auf realen Begebenheiten beruht, als man vermutlich für möglich halten würde. Und man solle doch das geniale Buch lesen, das die Grundlage für den Film bildete.
Das tat ich. Und ich habe es nicht bereut. Vor allem in der ersten Hälfte des Buches kommt einem vieles bekannt vor, wenn man den Film kennt. Doch das Buch bietet weit mehr.
Ich hatte das Gefühl, Jon Ronson hat von einigen abstrusen Praktiken des Militärs erfahren und wollte zunächst eine heitere Geschichte über schräge Typen schreiben, die Ziegen zu Tode starren und durch Wände gehen wollen. Doch im Laufe des Buches wird deutlich, dass die schrägen Typen im Grunde auch eine Art Pioniere waren, die durchaus auch etwas verändert haben. Entsprechend wird der Ton des Buches gegen Ende etwas ernster, vor allem dann, wenn es um Skandale des US-Militärs geht, etwa um Abu Ghraib oder Guantanamo.
Jon Ronson erzählt von seinen Recherchen und von den Personen, die er dabei kennenlernt. Man bekommt einen guten Eindruck davon, warum diese tun, was sie tun. Man darf nicht vergessen, dass vieles davon streng geheim ist, oder zumindest war. Jon Ronson kann also kaum Beweise präsentieren. Er überlässt es oft geschickt uns Lesern zu entscheiden, wem man wie viel glauben kann. Aber er macht auf recht spannende und unterhaltsame Weise deutlich, wie abstruse Ideen dennoch zu realen Methoden führen können, aber auch, dass die besten, friedlichsten Grundsätze zu wahren Foltermethoden führen können.
Während der Film die einzelnen Geschichten zu einer fiktiven Gesamthandlung zusammen schnürt und somit bis zur letzten Minute spannende Unterhaltung aus Hollywood bietet, bleibt Jon Ronson im Buch bei seinen Recherchen. Im ernsteren letzten Teil fehlt allerdings hin und wieder das gewisse Etwas. Ich schätze, gerade bei den Skandalen, gibt es andere Bücher, die gründlicher informieren. Auch zu den einzelnen beschriebenen Methoden der Jedi-Krieger gibt es weitergehende Literatur.
Der Vorteil von Jon Ronson ist allerdings, dass er sich auf die Menschen konzentriert und seine Recherchen unterhaltsam schildert. Sein Buch ist durchaus zu empfehlen. Man darf allerdings keine Lektüre erwarten, die bis zur letzten Seite witzig und unterhaltsam ist.