Grade hätte man gedacht, man wüsste, wie Dir en grey drauf sind, machen die 5 Jungs erneut eine Kehrtwende und pfeffern den Zuhörern harten Schmackes in die erstaunten Fressen. War Withering to Death noch ein stimmiges Hardrock-Album und als solches nur bedingt härter als die zahlreichen Vorgänger, entwickelt sich "The Marrow of a Bone" zum Metallkracher. Alle Fangirls, die noch immer dem dezent aufgetragenen Lidschatten und der einen oder anderen farbigen Strähne hinterherrannten, kommen bei diesem Album an einen Scheidepunkt. Denn nun ist entgültig Finito mit auch nur den kleinsten visuellen Acessoires, Dir en grey sind zu "Normalos" geworden, die vollstens die Musik im Auge haben.
Und das merkt man diesem Album deutlich an. Wildes Geschrei, hämmernde Drums, schreddernde Gitarren; Auf diesem Album warten nur Extreme auf. Und dabei beginnt "The Marrow of a Bone" noch vergleichsweise harmlos und nostalgisch mit der Ballade "Conceived Sorrow". Die folgenden Tracks beweisen dann aber Mut zur Hässlichkeit. Von "Lie Buried With A Vengeance" bis "Grief" wird die Melodie auf ein Minimum zurückgestellt, im Vordergrund steht Geschrei und hämmernde Percussions. Das ist grundsätzlich ja nichts schlechtes, jedoch erscheint das bei Dir en grey extrem amateurhaft und unausgeglichen. Dazu kommt ein Grad an Unvirtuosität, der so bei der Band noch nie zu hören war. Viel mehr als eine Band, die sich aus eigener Kraft in diese Richtung durchschlägt, hört man hier eine Band, die sich bei den letzten US-Touren mit namhaften Bands einfach gerne hier und da was abgeguckt hat. Track 9 und "The Pledge", beide durchaus anhörliche Powerballaden, sind dann schon wahre Brandungen in den tosenden Wogen der gezwungenen Brutalität, die sich von dort an bis zum Ende des Albums durchzieht. Sicherlich, manche dieser Tracks haben durchaus was auf dem Kasten, so z.B. das stampfende "Repetition of Hatred" oder die Vorabsingle "Agitated Screams Of Maggots", die wirklich schön ordentlich brettern. Auch "Rotting Root" kann durchaus grooven, wenn es will. Doch für den Rest kann ich keine gute Punktzahl vergeben. Zu offensichtlich sind die gezwungene Brutalität und die Einflüsse dazu. Zu platt ist die Durchführung.
Eine bessere Produktion hätte wa wohl durchaus Abhilfe geschaffen. Die Drums scheppern, als hätte man sie grade in der Kneipe nebenan aufgenommen. Selbiges gilt für Gitarren und Gesang. Zur Rohheit mag das durchaus beitragen, doch manche Tracks wie "Lied Buried With A Vengeance" oder "The Deeper Vileness" hätten eine druckvollere und voluminösere Produktion doch schon gut vertragen können.
Für ein paar Totalausfälle und das gänzliche Fehlen von Perlen auf diesem Album also leider nur 3/5 Sternen.