Mit diesem Album haben sich Travis in der Britpop-Szene eine Platz an der Sonne verschafft - kein Zweifel.
Hier stimmt so ziemlich alles - Fran Haley's schmachtende Stimme kommt gut zur Geltung in den von hervorragender Soundqualität geprägten Songs voller Gitarren, ganz so wie man das gerne hat als Mensch, der sich der populären Rock-Musik verschrieben hat.
Auch können Travis durchaus variantenreich agieren, indem sie Pianos oder Streicher einsetzen. Jedoch kommen sie aus der nachdenklichen, träumerischen Stimmung nie heraus, was auf die Dauer eine leichte Wirkung der Weinerlichkeit erzeugen kann.
Doch dafür sind die Lieder an sich sehr stark komponiert; der Opener "Writing to reach you" ist ein absoluter Kracher, der prägnante Schlagzeug-Rythmus zu dem unheimlich anmutenden "The fear" überzeugt schon nach wenigen Sekunden und "As you are" bietet eine wunderschöne, melancholische Stimmung. Über "Driftwood" oder "Why does it always rain on me?" brauch man keine Worte mehr zu verlieren, wohl aber über "The last laugh of the laughter", ein Song mit einer tollen Melodie und einem sich daraus entwickelnden Piano-Intro von erster Güte; das rockige und mitreißende "Turn" erinnert musikalisch an Oasis, wenn auch Fran Haley's brave Stimme diesen Vergleich nicht ganz so offensichtlich erscheinen lässt, wie es meiner Meinung nach sein könnte. Die Songs "Luv" und "Slide show" sind zwei bittersüße Britpopperlen, die aus der zweiten Reihe kömmen (also weniger bekannt sind), aber dennoch in einem Atemzug mit den Singlehits der Band zu nennen sind. Interessant: Nach der "Slide show" erklingt nach Ablauf einiger Minuten der Stille ein beklemmender Rock-Song über einen alleingelassenen Jugendlichen, der in der brennenden Wohnung seines tyrannischen Vaters den Heldentod stirbt.
"The man who" ist ein sehr komplettes Rock/Pop-Werk, mit dem sich sowohl Freunde härterer Rock-Musik (wieder der Brückenschlag zu den Britpop-Giganten von Oasis) als auch Musikfans, die eher aus der ruhigen, folkigen Ecke kommen, 100%-ig anfreunden können.