Aus der Amazon.de-Redaktion
Wer die Karriere dieses belgischen Trios verfolgt hat, hat miterlebt, wie sie von TripHop (bei ihrem Debüt
A New Stereophonic Sound Spectacular) zu TripPop wechselten (
Blue Wonder Power Milk), wobei diese Prozedur ihre Fans ganz schön in Konflikte stürzte. Eines steht fest:
The Magnificent Tree gießt noch einmal Öl ins Feuer. Der 'Trip' hat sich vom Pop getrennt und eine Mischung von braven Melodien für das Radio hinterlassen, aber kaum noch etwas mit dem Charakter und dem Charme ihrer früheren Arbeit. Es ist eigentlich schade, denn hier werden durchaus einige Ohrhäppchen präsentiert, dann verliert sich jedoch vieles in der schlaffen Verpackung von Standard-Arrangements und harmlosen Texten.
Die bezaubernde Geike Arnaert, die sich bei Blue Wonder Power Milk noch ganz abgehoben und cool gab, hat sich bei diesem Album zu einem leidenschaftlicheren Gesangsstil entschlossen. Dies funktioniert bei dem völlig untypisch rockigen "Jacky Cane" und dem sentimentalen "Vinegar & Salt" ganz gut, aber bei "Mad About You", "Everytime We Live Together" und dem peinlich kitschigen "Out Of Sight" klingt das zu glatt und platt. Anklänge an den guten alten Stil tauchen hier und da auf, besonders bei dem feierlichen, von Samples geprägten "Autoharp" und dem verträumten an Dubstar erinnernden "Waves", aber sie versprechen mehr als der Rest des Albums liefern kann. The Magnificent Tree mag zwar alles in allem ein solider, knorriger Baum sein, aber es fehlen dann doch noch ein paar Äste, um die Bezeichnung "wunderbar" zu verdienen. --Steve Landau
INTRO
Unverbindlichkeit geht Pop. Hooverphonic klammern sich auf ihrem dritten Album so charmant an sicheres Ufer, dass man ihnen bereitwillig Konsequenz nachsagen möchte. "Blue Wonder Power Milk" kam und ging ebenfalls mit dieser Kollision von auf rollenden Drumloops gespanntem Säusel-Pop im 4AD-Dunstkreis, Westernromantik und einem schweren Paket seufzender Streicher. Über die inhaltliche Wehmütigkeit streicht das synthetische Klangbild - der lange Atem des Synthie-Pop! - wie ein Textmarker. Dennoch so geschmackvoll auf den größten gemeinsamen Nenner produziert, dass sowohl Filmproduzenten sich für diesen launischen Pop erwärmen als auch Fußball-Fans (Hooverphonic rockten während der Eröffnung der EM-Europameisterschaft in Belgien ein Stadion). Jetzt also der Herbst und mit ihm dieses Album. Populismus kennt schlimmere Lieder, denkt man sich dann, während man hinhört und eine Träne verschüttet oder auch Tee trinkt. Gut eigentlich, dass niemand Wiglaf Drostes unverbindlicher Aufforderung, Belgien zu bombardieren, nachgekommen ist. Besser Pop hören.
Maik Arensmann / Intro - Musik & so
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