Ich bin sicher: Die Produzenten haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gejammert "Wer soll sowas kaufen?". Was haben Sting, Bach, Renée Fleming und ein altes, mazedonisches Volkslied gemeinsam? Wo ist da die Linie? Wenn man Ohren und Herz weit geöffnet hat, diesem Spielmann und seiner Musik folgt, braucht man keine Linie mehr. Man wird mitgerissen von plätschernden Bächen, reißenden Strömen, perlenden Tropfen, schwirrenden Flocken und brennenden Tränen. Die Singstimmen, die in ihrem Charakter kaum unterschiedlicher sein könnten, werden durch die Laute so respektvoll, ja zärtlich begleitet, dass sie in ihrer Kraft beeindrucken und in ihrer Verletzlichkeit anrühren. Da wird keinem ästhetischen Ideal nachgeeifert, da werden Gefühle ganz persönlich und ehrlich offen gelegt. Atemberaubend in dieser Hinsicht: Renée Fleming. Nach ihrem "but ah!" in Dido's Lament braucht man erstmal die Pausentaste, bevor es dann entspannt mit Giovanni Zambonis Sonata weitergeht. Die Perfektion und Virtuosität mit der die Interpreten musizieren, wird nirgendwo hervorgekehrt, sondern ordnet sich stets im guten Sinne "spielerisch" der Musikalität unter. Dabei wird klar, was diesen so unterschiedlichen Stücken gemeinsam ist: Leidenschaft.
The Lute Is a Song