Bei Filmmusik stellt sich immer die Frage, ob sie auch ohne die Bilder, die sie untermalt, genügend Substanz bietet, um für sich alleine zu bestehen. Bei der Filmmusik von Howard Shore zu Der Herr der Ringe" bedurfte es nicht erst eines Oscars, um dies uneingeschränkt zu bejahen, denn sie steckt voller Ideen, die unterschiedlichste musikalische Facetten bedienen, vom irländisch-erdverbundenen Hobbit-Thema über elegisch-traumgleiche Klanggebilde bis hin zu Passagen, in denen Chor und Orchester eine mitreißende Wucht entfalten, die Carl Orffs O Fortuna" aus der Carmina Burana" in nichts nachsteht. Die Musik der Doppel-CD ist auf sechs Movements" aufgeteilt, von denen jeweils zwei einen der drei Filme repräsentieren. Im Vergleich zu den bereits veröffentlichten Soundtracks ergeben sich trotz prinzipieller Vergleichbarkeit einige Unterschiede:
- Die Musik ist im Vergleich zu den Original-Soundtracks auf etwa die Hälfte der Zeit verdichtet, was aber keinerlei Einbuße bedeutet, vielmehr kann man sich so alle musikalischen Film-Themen in aufmerksamkeitstauglichen zwei Stunden zu Gehör bringen.
- Orchestrierung und Tempi sind so nahe am Original, dass Unterschiede nur im direkten Vergleich erkennbar sind. Der Rest ist Geschmackssache. Mir kommt die vorliegende Aufnahme des 21st Century Symphony Orchestra noch etwas luftiger" und durchsichtiger" und dadurch irgendwie lebendiger vor als die Film-Einspielung. An der Aufnahme-Qualität gibt es meiner Meinung nach nichts auszusetzen.
- Fans von Enya, Emiliana Torrini oder Annie Lennox mag es missfallen, dass ihre Songs gar nicht zu hören sind (Enya) oder von einer anderen Interpretin gesungen werden. Alle anderen können sich an der schönen Stimme von Kaitlyn Lusk erfreuen.
Insgesamt also eine sehr empfehlenswerte Doppel-CD sowohl für diejenigen, die die herausragende Filmmusik von Howard Shore schon kennen und schätzen, als auch für jene, die sich zum ersten Mal mit ihr beschäftigen wollen.