Achtung, Achtung! Tapes `N Tapes, die taufrischen Sterne am US-Indie-Firmament, sind nun auch bei uns (partiell) käuflich zu erwerben. Ihr grandioses Debüt "The Loon" kommt mit elf Songs über den Teich, die euch das Wasser in Augen und Ohren treiben werden. Mit im Gepäck und nicht ganz unschuldig an all dem Rummel und Getöse: kiloweise Vorschusslorbeeren und ganz viel frischer Wind in den aufgeblähten Segeln.
Was wurden nicht alles für Vergleiche angestellt (Knackiger als die Shins und Modest Mouse!) und Promo-Phrasen gedroschen (Wolf Parade, Band Of Horses und Figurines können einpacken! Pixies und Pavement haben Pate gestanden!). Man könnte sich von diesen Schwergewichten abschrecken lassen, um einer Enttäuschung aus dem Weg zu gehen. Stürzt man sich aber kopfüber in eine Liaison mit "The Loon", so stößt man mit dem ersten Song "Just Drums" zusammen. Wie waren die Referenzen noch mal? Musikalisch routiniert und aus dem Vollen schöpfen sie, die Minneapolitaner. Und die Lyrics sind wirklich interessant. Ein Beispiel gefällig? "Reeling in fog/ Kneeling in fog/ I've been really better under lock".
Mit "Insistor", der ersten Single, schicken die Tapes einen potentiellen Dancehall-Gassenhauer aufs gewienerte Parkett. Davon hat man erst genug, wenn man mit zertanzten Schuhen schwindelnd zu Boden fällt. Vorzugsweise in dem Moment, in dem Josh Grier eine Minute und sechsunddreißig Sekunden vor Schluss zu flüstern beginnt.In "Manitoba" würde sich Will Oldham sicherlich wohl fühlen. In meiner Vorstellung sitzt er auf einer windschiefen Veranda und covert diesen countryesken Song. Für den unerwarteten, fulminant zerknautschten Ausklang würden Tapes 'N Tapes allerdings selbst sorgen.
"Cowbell", der heimliche Höhepunkt der Platte, schenkt uns schaurig-schöne zweieinhalb Minuten. "I've been a better lover with your mother." Wahrheiten müssen direkt im Gesicht landen wie fauliges Obst, um dann langsam bis zu den Zehenspitzen abzurutschen. Oder: "I hate you from the heart", was für eine poetische Zeile. So wundervoll gebrochen hätte es nicht mal Conor Oberst hinbekommen.
"The Loon" ist eine wirklich schöne Platte in den Ohren jener, die ihr kleines, schmuddeliges Herz an Schrammel-Lispel-Wühltisch-Rock verloren haben. Am Auffälligsten und Liebenswertesten ist dabei die ungeheure Lust der Band, lautmalerisch mit Worten regelrecht zu jonglieren. Mal sehen, was noch kommt. - Beate Waack -