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Die zweite Sonne am Himmel Ranadons ist verschwunden. Erdbeben, Flutwellen, Vulkanausbrüche und ungewohnte nächtliche Dunkelheit versetzen die Bevölkerung in Schrecken. Nach vielen Jahren gelingt es dem genialen Neris Verran, der eine aussergewöhnliche mathematische Begabung hat, unter Zuhilfenahme uralter Aufzeichnungen das Geheimnis über die orbitalen Bahnen der Sonnen zu entschlüsseln. Mit diesem Wissen über die Rückkehr der zweiten Sonne gibt er der einfachen Priesterin Belagren den Schlüssel zur Macht. Als Stimme der Göttin prophezeit sie die Rückkehr der Sonne zum von Neris berechneten Zeitpunkt und bindet so die gläubige Bevölkerung und den Herrscher Antonov, den Löwen von Senet an sich.
17 Jahre später hat sich der totgeglaubte Verran zusammen mit der Wahrheit in den Wahnsinn geflüchtet, während Belagren nur eine Furcht kennt: Dass das nächste Zeitalter der Dunkelheit kommen könnte, bevor sie herausgefunden hat, wann dies passieren wird. Von all dem ahnt Dirk Provin nichts, als er Zeuge eines Schiffbruchs wird, ebensowenig ahnt er, dass dieser Schiffsbruch sein Leben für immer verändern wird. Dirk ist der zweite Sohn des Adligen Wallin Provin und manch einer munkelt, der mathematisch hochbegabte Junge sei ein zweiter Neris Verran...
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Die ersten vier, fünf Kapitel habe ich mich beim Lesen des Buches recht schwer getan. Im Nachhinein habe ich dies vermutlich Robin Hobb zu verdanken, die in ihrem Kommentar zu dem Buch es als Mischung aus Fantasy und Science-Fiction beschreibt. SF bedeutet für mich, vermutlich fälschlicherweise, immer das Vorhandensein moderner Technologie und so hatte ich anfangs etwas Probleme mich zu entscheiden, wie ich mir die Welt genau vorzustellen habe. Es wird aber schnell klar, dass die Welt wohl am ehesten vergleichbar mit unserer zur Zeit der Renaissance ist, während sich die "Science" auf Neris' Entdeckungen beschränkt, die vermutlich nicht zufällig an Galileo Galilei erinnern.
Von der Ungewissheit über das Szenario befreit fesselte mich das Buch mit der Zeit immer mehr. Das mag zum Einen daran liegen, dass besagter Galilei eines der wenigen Bücher war, die ich im Deutschunterricht wirklich gerne gelesen habe. Vor allem aber liegt es an Fallons erstklassiger Charakterriege. Es gibt Charaktere, die man einfach lieben muss, Charaktere, die man von Herzen hassen kann, Charaktere, die einem ob ihrer Sturheit beinahe die Zornesröte ins Gesicht treiben und viele Charaktere dazwischen.
Da man sich mit diesem Buch, dessen Ende eher einen Ruhepunkt als einen Abschluss darstellt im Wesentlichen für die ganze Trilogie entscheidet, will ich hier erwähnen, dass das zweite Buch, auf dessen Ende ich gerade zu rase, nicht enttäuscht und eher noch besser ist.
Ein professioneller Kritiker meint in einem Zitat auf Fallons Webseite, dass jeder der George Martin oder Guy Gavriel Kay liebt, Eye of the Labyrinth, das zweite Buch der Trilogie verschlingen werde. Zumindest bei mir hat er damit absolut Recht behalten. Allerdings würde ich Fallon eher mit Kay als Martin vergleichen, wobei sie nicht ganz Kays sprachliches, zeitweise fast poetisches Level erreicht.
Auf jeden Fall aber ist das Buch eines der vergleichsweise wenigen Bücher, die in mir das schlafraubende Phänomen auslösen, dass ich trotz fortgeschrittener Stunde immer wieder "Nur noch dieses eine Kapitel!" lesen will und mir damit allemal 5 Sterne wert.
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