Natürlich ist es ein spannender Roman, den man zur Unterhaltung liest, kein "juristisches" Lehrbuch. Es spricht Leser an, die typische "Courtroom"-Bücher und -Filme mögen, bei denen ein Teil die Ermittlungen vor dem Prozess und der zweite Teil die Hauptverhandlungstage selbst darstellen.
Aber der "Lincoln Lawyer" ist insofern anders, als er einem nicht nur die schöne Schadenfreude gönnt, wenn der sympathische Held durch taktisch geschicktes Verhalten dem Mandanten im Prozeß hilft und der Staatsanwalt, der Richter oder die Jury "in die Röhre schauen"; sondern das Buch ist in der 1. Person geschrieben und erklärt dadurch im Gegensatz zu vielen anderen, ansonsten auch hervorragenden Filmen und Büchern, WESHALB der Strafverteidiger in bestimmten Situationen diesen oder jenen Antrag stellt, über sein Honorar spricht oder nicht spricht, eine bestimmte Person besucht oder ignoriert etc. - Als mit dem amerikanischen Strafrechtssystem zumindest etwas vertrauter Anwalt kann ich sagen, daß gerade diese Aspekte das Buch vom guten zum sehr guten gemacht haben, aber auch als "Laie" wird man hier das Gefühl haben, die Handlung nicht nur vorgesetzt zu bekommen, sondern die Motivation der Personen plausibel und glaubwürdig nachvollziehen zu können.
Es ist zudem spannend bis zum Schluß, OHNE am Ende konstruiert, unrealistisch oder an den Haaren herbeigezogen zu wirken, und das ist wirklich nicht oft der Fall. Also: Lesen! ;)