Es gibt sie also doch noch, die Filme, die nach neuen Formen und Welten suchen! "Limits of Control", der neueste Streich von Amerikas Vorzeige- Independentfilmer Jim Jarmusch ist ein Beispiel dafür.
Der Anti-Plot ist schnell erzählt: Ein einsamer, wortkarger Fremder (Isaach De Bankolé) wird auf eine mysteriöse Reise durch Spanien geschickt. Auftrag und Ziel bleiben im Dunkeln. Unterwegs trifft er auf nicht minder mysteriöse Gestalten (Tilda Swinton, John Hurt, Gael Garcia Bernal u.a. tummeln sich in Kleinrollen), die ihm Vorträge über Kunst, Kino oder Moleküle halten. Zwei Tassen Espresso werden jeweils bestellt, von denen eine vom Reisenden dazu verwendet wird, einen kleinen Zettel mit Zahlen hinunterzuschlucken.
Eingefangen wird die Reise von Wong Kar-Wais Stammkameramann Christopher Doyle, der die spanischen Schauplätze (Straßen, Cafes, Wüste) in poetisch ruhige Einstellungen taucht.
Je weiter sich die Geschichte entwickelt, desto mehr scheinen sich die Bilder vom Geschehen zu lösen. Wenn der wortkarge Protagonist am Schluss seinem "Widersacher" (Bill Murray) gegenübersteht, hat der Film sich längst in einer Meditation über Realität, Abbild und Kunst verloren. Keine Handlung wird erkennbar, vielmehr schwelgt Jarmusch in zahlreichen "filmischen Archetypen": der stumme Outlaw, die schöne Blonde, der Cowboy, Gangster, Musiker, Spion. Dass das Ganze auf keinen eindeutig dechiffrierbaren "Sinn" hinausläuft, fällt weiter nicht ins Gewicht, vielmehr sollte man sich diesem hervorragenden Spiel von Wiederholungen und Rekursionen aussetzen. "Realität ist beliebig" bekommt der Einsame einmal zu hören, ein Motto, das gut für den ganzen Film Pate stehen könnte. Es gibt eben keine Regeln, oder: "No Limits, no Control", wie es nach dem Abspann heißt.
Wem das zu kryptisch, sinnlos oder langweilig ist, bitte sehr. Nach ein paar Minuten habe ich alle Einwände vergessen und genieße diesen großartigen Film.