Ich möchte, auch wenn das dem Album eigentlich nicht gerecht wird, zunächst auf angesprochenen vermeintlichen Schwächen dieses Albums eingehen.
Da heißt es unter mir, er ruhe sich aus, schlage keine neuen Wege mehr ein, sei langweilig geworden. Weiterhin, er könne nicht an die großen Erfolge früherer Tage anschließen.
Für mich sind diese Kritikpunkte nicht nachvollziehbar. Wie kann man zum einen behaupten, er habe den Anschluss an frühere Alben nicht gefunden, wenn man einen Satz vorher beklagt hat, er probiere nichts Neues mehr? Wie kann man behaupten, er habe an Leidenschaft und Enthusiasmus verloren, wenn man sich nur einmal die traurig-melancholischen Texte von "No Bad News" oder "Then The Letting Go" angehört hat und sie förmlich hat einsickern lassen?
Nein - Will Oldham ruht sich nicht aus. Er bricht auch nicht mit früherer Qualität. Im Gegenteil - Der Prince macht alles richtig und probiert, wie bereits früher, alles von Neuem, beschreitet neue Wege, neue Stimmungen. "The Letting Go" ist ein Album, das wie kein zweites Melancholie und sanften Optimismus vereint, es ist ein Album, dessen volle Schönheit sich dem geduldigen, dem empfindsamen Hörer offenbaren wird - und dieser wird für die Zeit und Leidenschaft, die er investiert, für die Offenheit, die er offenbart hat, reichlichst belohnt. Er gewinnt Exklusivzugang zur Seele verschiedener Gefühle, einfach, indem Lieder bestimmte Stimmungen und Schwingungen vollendet transportieren. Wer sich fangen lässt vom Falsett im Hintergrund von "Then The Letting Go", wer die gewaltige dualistische Melodieführung von "Strange Form Of Life" an sich herankommen lassen hat, dem eröffnen sich Horizonte und Welten, der versinkt in dieser Stimmung und wird ihr erst dann wieder entweichen, wenn das letzte Lied in all seiner ruhigen Gediegenheit verklingt und diese Orgie leiser Schönheiten beendet.