London 1969: Neunundfünfzig Jahre sind vergangen, seit Jack MacHeath wie Jack the Ripper Prostituierte ermordete, Captain Nemos Tochter Janni in einem Akt der Rache die Londoner Docks mit dem Schiff und der Mannschaft ihres Vaters verwüstete und die Liga zum ersten Mal mit einem finsteren Kult um den Magier Oliver Haddo konfrontiert wurde.
Vor allem Letzteres scheint sich dieses Mal zu wiederholen, denn der Magier Prospero entsendet Mina Murray, Alan Quatermain und Orlando, um sich der nicht minder finsteren Aktivitäten des scheinbar die Jahrzehnte überdauerten Kultes Haddos anzunehmen.
Doch erneut ahnen die verbliebenen Mitglieder der Liga nicht, mit wem sie es zu tun haben.
Gleichzeitig versucht der Auftragskiller 'Jackie' (wie es scheint der Antiheld des Filmes ,,Get Carter' Jack Carter, aus dem Jahre 1971) im Auftrag eines Gangsterbosses, den Mörder eines Protegés von diesem zu finden.
Über kurz oder lang werden sich die Wege aller Protagonisten kreuzen, während um sie herum Hippies freie Liebe und den Konsum von Drogen feiern und die Atmosphäre sich im wahrsten Sinne ,,magisch'' auflädt.
,,1969'' setzt die in ,,1910'' begonnene Geschichte um Oliver Haddos Kult und dem mysteriösen ,,Moonchild'' vor einer kreischend bunten Kulisse fort. Im Gegensatz zu ,,1910'', wo dieser Plot neben Jack MacHeaths Morden eher dazu diente um von der eigentlichen Geschichte (Jannis Werdung zur neuen ,,Nemo''), stehen die Ermittlungen der Liga tatsächlich im Vordergrund und man erfährt mehr über den Gegenspieler der Liga und seine Arbeitsweise. Die Geschichte ist in sich tatsächlich abgeschlossen, auch wenn sie wie ihr Vorgänger mit einem großen Cliffhanger endet, dessen Auflösung uns (wie sollte es anders sein) erst im 2009 spielenden Finale erwarten dürfte.
Dazwischen wird weiterhin fröhlich mit Referenzen um sich geworfen (in einem Bild kopiert Kevin O'Neil mal eben ein Plattencover der Beatles und es wird auf die zukünftige Handlung des oben schon genannten ,,Get Carter'' angespielt) und wie in der Liga üblich spielt auch der Sex eine große Rolle. Die Geschichte ist stärker fokussiert, da sie sich zum größten Teil auf die Ermittlungen des Heldentrios Murray, Quatermain und Orlando konzentriert und der eigentliche ,,Plot'' wird auch vorangetrieben.
Trotzdem ist der Band insgesamt schwächer als sein Vorgänger.
Dies liegt unter anderem daran, dass die Geschichte um Janni viel dichter und in sich runder war, aber das größte Manko sind dieses Mal die Zeichnungen von Kevin O'Neil zu nennen. Sein besonderer Stil haben der Liga ihr Gesicht gegeben, doch wirkt dies in diesem Heft erschreckend grob und noch skizzenhafter als gewohnt. Dies ist gut an Mina Murray zu sehen, deren Gesichtszüge manchmal doch sehr einer (nicht besonders hübschen) Puppe und irgendwie möchte der Funke der späten 60er (auch wenn ein Drogentraum am Ende einen großen Teil der Ehre des Comics zu retten vermag) nicht so recht auf den Leser überspringen, was wohl aber vom persönlichen Geschmack abhängt (ich persönlich bevorzuge das Steampunk Szenario von 1910).
Doch ist 1969 keineswegs schlecht, im Gegenteil, es ist immer noch vergnüglich zu lesen und macht auf den finalen Band der Trilogie neugierig, denn nun verlässt die Liga gewohntes Terrain, die entfernte Vergangenheit und betritt nun die Zukunft (oder die jüngere Vergangenheit, wenn man es so will) des Jahres 2009.
Man darf wohl gespannt sein und vergnügt sich bis dahin mit den beiden Vorgängerbänden und den anbei hinzugefügten Fortsetzungsgeschichten (denn natürlich werden diese auch in ,,1969'' weitererzählt), die wie immer ihre eigenen Geschichten erzählen.