...obwohl man nach "Black Dossier" vielleicht denken konnte, dass er sie verloren hat. Natürlich muss man diese Veröffentlichung im Vergleich zu den bereits erschienen Werken bewerten. Die neue Liga des neuen Jahrhunderts hat sicherlich Probleme, gegen die großen Namen der "alten" Liga zu bestehen - der typische Leser kennt einfach zuwenige dieser Personen. Dazu ein Bösewicht, der zwar zu erwarten war, wenn man Alan Moores Privatleben etwas kennt, doch insgesamt weniger in der Story mitspielt als die früheren Opponenten.
So kämpft diese Liga der außergewöhnlichen Gentlemen nun auch weniger gegen einen klar definierten Gegner, sondern gegen eine ungreifbare, unklare Prophezeiung. Ist damit wirklich eine unmittelbare Bedrohung gemeint, oder ist das gewählte Jahr 1910 nicht ein Hinweis auf eine viel größere Katastrophe, die sich die Kämpfer der Liga einfach nicht vorstellen können in ihrem welterschütternden Ausmaß? Auf jeden Fall spielt hier viel Flair und Atmosphäre der 1910er Jahre mit, mit dem damaligen Okkultismus-Hype, und die Einbindung der Dreigroschenoper ist wieder so ein Geniestreich Moores, der neben der literarischen Referenz auch mit der Person Jenny dazu dient, ein Bindeglied zwischen 1910 und Teil 1 und 2 herzustellen.
Wie viele war ich von "Black Dossier" maßlos enttäuscht. Auch wenn Moore und O'Neill in "Century: 1910" wieder versuchen, auf die Originalspur zurückzukehren, gelingt das immer noch nicht völlig - sicherlich ist 1910 ein intelligentes, forderndes und höchst kreatives Spiel mit Literatur, Kunst, Musik und Geschichte, das einen immer wieder überrascht (wer hat außer mir noch Popeye den Seemann entdeckt?), doch die unglaubliche Flüssigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der Moore in Teil 1 und 2 ein Feuerwerk abbrannte, entsteht hier leider nicht.
Doch mit "1910" nährt sich meine Hoffnung, dass hier etwas wieder am Entstehen ist: Da dies nur der erste Teil einer Trilogie ist, harre ich voller Spannung in Erwartung der Dinge, die da 1969 geschehen werden...
Die Knockabout-Ausgabe besitzt vernünftiges Papier, einen etwas wabbeligen Kartoneinband und eine gelungene Farbwiedergabe der grauen und erdigen Töne der Kolorierung. Goodies wie die Werbeseite zu Beginn lassen das Fehlen editorialer Zugaben wie Sketchbooks vergessen, die in einem solchen geschlossenen Werk vielleicht auch eher stören würden.