Wohl das edelste Abschiedskonzert der Pop-Geschichte: The Band zelebrierte ihre letzte Vorstellung in einem Ballsaal... Der Film ist längst ein Klassiker unter den Konzertfilmen, und schon die allernüchternste Beschreibung des Soundtracks verlangt Superlative: Neben "The Band", also Rick Danko, Levon Helm, Garth Hudson, Richard Manuel und Robbie Robertson, stehen zahlreiche Superstars auf der Bühne, die entweder mit The Band zusammen aufgetreten sind, sie beeinflusst haben, oder deren Songs in der Version von The Band berühmt wurden: Ronnie Hawkins, Neil Young, Muddy Waters, Joni Mitchell, Dr. John, Neil Diamond, Ringo Starr, Paul Butterfield, Eric Clapton, Van Morrison, Bob Dylan, Ron Wood, Emmylou Harris, The Staples.
Die Gästeliste liest sich atemberaubend, und die Musik erfüllt tatsächlich alle Erwartungen, die man mit diesen Namen verbinden kann. Mehr noch: Hier gibt es Live-Auftritte, die zu Klassikern wurden (etwa Van Morrisons "Caravan", oder Emmylou Harris' "Evangeline" mit The Band als Begleitband der Extraklasse), und es finden sich erlesene Duette zusammen: Neil Young & Joni Mitchell, Van Morrison & Richard Manuel, Paul Butterfield & Muddy Waters. Bob Dylan wiederum lässt sich bei der letzten Vorstellung seiner langjährigen Begleitband auch nicht lumpen. Und das sind längst nicht alle Beispiele...
Viele Songs gehören zum Repertoire der "Band" -- aber auch die Gäste bringen unsterbliche Klassiker mit: Bob Dylan glänzt selbstverständlich gleich mit mehreren Songs, Van Morrison bringt gleich zwei seiner größten Erfolge, "Caravan" und "Tura-Lura-Lural", letzteres als Duett mit Richard Manuel... Neil Youngs und Joni Mitchells Duett-Version von "Helpless" ist einfach phantastisch; Muddy Waters' "Mannish Boy" mit Paul Butterfields Mundharmonika nicht minder... Oder "The Weight" -- diesmal von The Band und den Staples als vereinigter Super-Group... Und dass sich Eric Clapton bei "Further Up on the Road" zwar nicht mehr nüchtern, aber dennoch von der Schokoladenseite präsentiert, dürfte auch klar sein.
Ums kurz zu machen: "The Last Waltz" ist nachgerade eine Orgie der guten Musik, eine Gipfelkonferenz der Besten.
OBACHT: Diese Rezension bezieht sich auf die Doppel-CD von "The Last Waltz" und entspricht genau dem 3-LP-Set von 1978.
Die Fairness gebietet, darauf hinzuweisen, dass es mittlerweile eine erweiterte Version gibt, die neben Film-Mitschnitten wie z.B. Interviews usw. 14 weitere Tracks sowie Jam-Sessions enthält. Welche Version man sich anschaffen will, hängt sicher von verschiedenen Faktoren ab -- aber auch schon diese Doppel-CD wurde zu Recht legendär; es handelt sich absolut nicht um einen "Last Waltz für Arme". Eher handelt es sich um einen opulenten Leckerbissen mit hohem Suchtfaktor. Vor allem, wer dieses Konzert noch nie "richtig" gehört hat, dürfte erstmal einige Zeit mit der "Schmalspurversion" ausgelastet sein...