"The Last Romance" soll die beste Arab Strap sein, und die Hörproben, die ich bei anderen Alben nahm, bestätigen diese Behauptung. Eine Indie-Rock/Pop/Singer-Songwriter-Platte, an der mir nahezu alles gefällt: Produktion, Songs, Arrangements und natürlich Aidan Moffats akzent- und slangintensiver, gekonnt am Ton vorbeigenölter Gesang. Aidan Moffat singt gern und häufig über Sex ("Burn the sheets that we just f*cked in" ist gleich die 1. Zeile des Openers "Stink"), und seine Szenarios sind anders als z.B. Sex in amerikanischen Mainstream-Filmen, an dessen Reibungslosigkeit und Win-win-Garantie sich die halbe westliche Welt orientiert und immer wieder feststellt, daß das Leben und der darin vorkommende Sex einfach anders sind. Vielleicht ist das Leben sogar eher wie ein Arab-Strap-Song, zumindest in seinen Schlawiner-Momenten. Das Leben riecht, es hat fettige Haare, feuchte Stellen, nervige Momente, geile Hoffnungen ("And when I wake up stiff, please just feel free to use me"), und manchmal ist einem auch alles egal (oder um im Bild zu bleiben: Latte) - In "There Is No Ending" zählt Moffat die seinerzeit aktuellen Geißeln der Menschheit auf (Vogelgrippe, Vulkane, Pädophile, Riesenwellen) und schließt mit der Aussage: "I Don't Care". Dazu blitzen jubilierende Fanfaren über der selbstzufrieden absteigenden Akkordfolge, und ein Hauch Dekadenz liegt in der Luft. "Don't Ask Me To Dance" hat einen Beat, der ein wenig an U2 erinnert mit dieser beidhändig gespielten 16tel-Hi-Hat, ist aber natürlich ein ganz anderer Boogie: Auf cleanen E-Gitarren werden Moll-Akkorde gezupft, die an Mogwai (Landsmänner und Ex-Labelmates, partiell wohl auch Saufkumpane) erinnern. Ein Song wie ein Strudel, zieht einen in seinen Bann wie es ein überraschend auf der Bildfläche erscheinender Mensch tut, mit dem sofort ETWAS GEHT (auch wenn Moffat textlich sein Bestes tut, um sowas wie Euphorie und Hoffnung auf Lebenslänglichkeit gar nicht erst aufkommen zu lassen). Am Ende kommt eine rückkoppelnde elektrische Gitarre, die den Hörer wahrlich elektrisiert - der beste Moment des Albums. Aber es gibt auch Introspektiveres: "Chat In Amsterdam, Winter 2003" klingt wie ein vertonter Tagebucheintrag: Aidan Moffat spricht und leiert im Hintergrund den selben Text nochmal, als wären es die Untertitel. Dazu tutet ein flachatmiges Akkordeon traurige Melodien. Gegen Ende mühsam im Zaum gehaltene Feedback-Collagen. Fast ein Hörspiel. "Fine Tuning" klingt äußerlich wie eine nur zur cleanen E-Gitarre vorgetragene zärtliche Ballade, ist aber inhaltlich ein reichlich desillusionierter, um nicht zu sagen: leicht abgef*ckter Ausblick auf den durchschnittlichen Verlauf einer Aidan-Moffat-Beziehung; trotzdem ein schönes Stück, und das tatsächliche Ende des G'schichterls (wie eine Ex-Affäre von mir "Affären" nannte) bleibt ja offen. Und zu "Dream Sequence", gegen Ende des Albums, möchte man endlich selbst leicht angesoffen auf irgendeiner schon reichlich verwaisten Tanzfläche eine desolate Figur machen, vielleicht gerade noch die Kurve kriegen, vielleicht nicht. Tolle Platte: Nicht ganz fünf Sterne aber mehr als vier!