Mit einer ganz (scheinbar) cleveren Vermarktungsstrategie will uns Splendid nun diesen Film verkaufen, der auf den klangvollen Titel "The Korean Job" hört. Der Querverweis zu "The Italian Job" ist unübersehbar, und so will uns die ganze Aufmachung an eben jenen erinnern und zum Kauf führen.
Was der Käufer dabei nicht wissen kann: "The Korean Job" hat sehr wenig mit besagtem Hollywood Produkt zu tun, handelt es sich doch um eine Fortsetzung des als "Tokio Ryders" erschienenem Vorgängers. Sinnvoll wäre eine Benennung des Originaltitels, nämlich "Seoul Ryders" gewesen, aber naja...
Zum Film selber gibt es einiges zu sagen, denn obwohl es sich um eine Fortsetzung handelt ist die Story des Films eigenständig und läßt sich auch (bis auf Kleinigkeiten) ohne das Original verstehen.
Das eigentliche Problem des Films besteht darin, das der ganze Stil und die ganze Aufmachung einfach nicht funktionieren. Tony Leung Chiu-wai ist als Hauptdarsteller Lam im Grunde genommen überfordert, seine darstellerischen Fähigkeiten sind unbestritten, aber als obercooler Spion/Dieb vermag er nicht zu überzeugen. Seine Figur ist eine Mischung aus Donnie Yen und Chow Yun Fat, wobei er als keiner von beiden überzeugen kann. Ihm fehlt sowohl die Ausstrahlung als auch die Coolness, um als solcher glaubhaft aufzutreten.
Zwar bietet der Film reihenweise Kampfszenen, die einem bei entsprechenden Vorkenntnissen aber schonmal suspekt vorkommen. Keiner der Darsteller hat einen Martial Arts Hintergrund, und so leid es mir tut, das sieht man. Weder Tony Leung noch die süße Shu Qi haben das Kämpfen von Kindesbeinen an gelernt, ihre Fähigkeiten sind für diesen Film angelernt. Auch kommen Doubles zum Einsatz, vorallem wenn in den Kampfszenen der Hauptakteur im Dunkeln gegen grelles Licht gefilmt wird. Die Choreographie dieser Kämpfe ist nicht schlecht gemacht, es wird viel mit Kicks und hohen Techniken gearbeitet, was zwar ziemlich unrealistisch ist, aber trotzdem gut aussieht.
Damit sind wir beim zweiten großen Problem, der übertriebenen Coolness des Films. Regiesseur Jingle Ma ist zu verspielt mit der Kamera, das Endprodukt erinnert stark an die "Kick and Run" Filme der Achtziger/Neunziger, ist aber für ein solches Produkt viel zu überstylisiert und übertrieben. Am Ende fragt man sich, was außer einem glamurösen Look bleibt, denn weder Schauspieler noch Story überzeugen letztendlich.
Ein gutes Beispiel hierfür sind die drei Nebendarstellerinnen um Tony Leung, die ohne Namen bleiben, ihn immer nur "Bossi" nennen und außer dem wunderbaren Aussehen den Film nicht weiter bereichern, lediglich als so genanntes "Eye Candy" funkieren.
Fazit: Technisch eine einfandfreie Scheibe, an dessen Hauptfilm sich die Geister scheiden. Wer mit anspruchsloser, unspannender und lediglich auf die Aneinandereihung von harmlosen Kampfszenen ausgelegter Unterhaltung in extrem überstylter Atmosphäre kein Problem hat, der wird "The Korean Job" lieben. Der Rest stört sich an fehlender Handlung, Zusammenhangslosigkeit, den durchschnittlichen Fights und der Bedeutungslosigkeit des Ganzen.
Von mir gibt es vier Sterne wegen der Schauwerte des Films, besonders Shu Qi gefällt mir in der Rolle der Meisterdiebin.
Die vorherigen Rezensionen teile ich nicht, wer erwartet bitte etwas anderes als einen Martial Arts Film bei dieser Aufmachung?!