Otto Klemperers Interpretation von Bruckners 6. Symphonie beeindruckt immer wieder aufs Neue und hat in den über 40 Jahren seit ihrer Entstehung nichts von ihrer überragenden Größe eingebüßt.
Der Dirigent ist mit höchster Konzentration bei der Sache und geht das Werk mit einer Ruhe und einem Ernst an, der es endgültig aus dem Schatten der berühmteren Schwesterwerke Nr. 4 und Nr. 7 herausführt. Schon der Kopfsatz "Maestoso" ist von grandioser Wirkung. Dann folgt das "Adagio", welches von dem berühmten Dirigenten unter einen herrlichen Spannungsbogen gestellt wird, so daß die Unterbezeichnung "Sehr feierlich" sich von selbst einstellt. Die beiden weiteren Sätze fügen sich bruchlos in diese zeitlose Auslegung ein. Ein herrliches Erlebnis. Der Klang der Aufnahme wurde digital hervorragend restauriert und kann noch heute höchsten Ansprüchen genügen. Selbst neuere, technisch vollendetere Aufnahmen, z.B. von Karajan oder Günter Wand, können den Rang von Klemperers Deutung nicht schmälern.
Wagners beigegebene Wesendonck-Lieder, von der wunderbaren Christa Ludwig konkurrenzlos gestaltet, runden eine CD ab, die vom ersten bis zum letzten Ton fesselt und jedem Freund großer Musik nur empfohlen werden kann. Das Philharmonia Orchestra London spielt, wie gewohnt, erstklassig und folgt seinem langjährigen Chefdirigenten bis ins kleinste Detail bewunderungswürdig. Die Aufnahmen entstanden 1963 (Lieder) und 1964 (Symphonie) in der Londoner Kingsway Hall.