Grundsätzlich gibt es zwei Interpretationsansätze für Ludwig van Beethovens EROICA: breit und majestätisch oder forsch und dynamisch. Vom musikalischen Standpunkt aus haben beide Auffassungen ihre Berechtigung. Wichtig ist allerdings, daß die Dirigenten konsequent bei der einmal eingeschlagenen Richtung bleiben und nicht durch unmotivierte Schwankungen in Tempo und Dynamik den Hörer verunsichern.
Otto Klemperer wählte für seine Stereo-Aufnahme von 1959 eine betont machtvolle, majestätische Grundhaltung, und dieser bleibt er auch bis zum letzten Takt konsequent treu. Der Kopfsatz wird von ihm mit steinerner Monumentalität ausgebreitet und zu einem fast triumphalen Ende gebracht, und der Trauermarsch erklingt in einer großartigen Intensität, wird mit Ruhe und großen Atembögen gestaltet, ohne aber je den Charakter eines Marsches zu verlieren. Das Variationsfinale schließlich krönt eine Deutung von einmaliger Vehemenz und Größe. Kaum ein Dirigent vor oder nach ihm hat dieses Werk mit solch einer wirklich niederschmetternden Gewalt in die Rillen gebannt. Das Philharmonia Orchestra London ist für Klemperer ein kongenialer Partner, es folgt seinen Ansprüchen mit schier gnadenloser Wucht und einzigartiger orchestraler Prachtentfaltung. Wer eine klare, analytische und betont breite Auslegung der gewaltigen Symphonie bevorzugt, der ist hier an der richtigen Adresse.
Die beigegebene Große Fuge op. 133 wurde bereits 1956 aufgezeichnet und ist technisch nicht so gut wie die Symphonie geraten.
Diese erklingt nach digitaler Neuüberspielung im ganzen imponierend und rauscharm. Beide Werke entstanden unter der Regie des Produzenten Walter Legge in den Londoner Abbey Road Studios. Das beigefügte mehrsprachige Textbuch ist in Ordnung.