The "Way of Kings" ist das erste Buch, das ich von Brandon Sanderson gelesen habe und es ist großartig! Ein wahrlich episches Werk von großen Ausmaßen mit einer spannenden und fesselnden Geschichte, neuen, faszinierenden Ideen und geschrieben in einer Sprache, die bildgewaltig und schön ist. Wenn Sanderson von Schlachtfeldern und Kämpfen schreibt, hatte ich oft den Eindruck, ich würde es nicht lesen, sondern mit eigenen Augen die Soldaten und Krieger kämpfen und sterben und ein einsames Banner auf dem Schlachtfeld im Wind wehen sehen!
Kurze Einführung: Vor vielen Jahren wurde der König der Alethi von einem Assassinen in Weiß ermordet und die Parshendi, eine den Menschen ähnlichen Rasse mit rot-schwarzer Haut, haben sich zu dem Mordanschlag bekannt. Daraufhin brach ein Krieg aus und seitdem kämpfen die Alethi gegen die Parshendi auf den "Shattered Plains", einem von Schluchten durchzogenen Gebiet, um den Mord an ihrem König zu rächen. Auf beiden Seiten kämpfen "Shardbearer", Männer mit magischen Rüstungen und Schwertern, die ihnen übermenschliche Kraft und Schnelligkeit verleihen und von denen man sagt, sie wären das Abschiedsgeschenk der "Knights Radiant", die einst die Menschen verraten und ihrem Schicksal überlassen haben ...
Die Geschichte wird aus der Sicht von vier Hauptcharaktere beschrieben. Eigentlich mag ich es nicht besonders gerne, wenn mehrere Charaktere die Geschichte erzählen, da es schwieriger für den Autor ist, jedem von ihnen Komplexität, Differenz und Tiefe zu schenken. Brandon Sandersons Charaktere wirken aber sehr menschlich und könnten nicht unterschiedlicher sein! Dalinar Kholin, ein Shardbearer und Onkel des Königs, wird von Visionen vom Ende der Welt heimgesucht. Diese Visionen entziehen sich seiner Kontrolle und obwohl er versucht, sein "Gebrechen" geheimzuhalten, sickert es durch und die Menschen wenden sich mehr und mehr von ihm ab. Dalinar besitzt Integrität und Ehre, was man von den anderen Kriegsfürsten nicht gerade behaupten kann, aber auch seine Weste hat dunkle Flecken.
Die junge Adelige Shallan Davar kommt in die Hauptstadt Karbranth, um einen hinterhältigen Diebstahl zu begehen, der ihr Leben und das ihrer Familie vor dem gesellschaftlichen Tod retten soll. Ihr auserwähltes Opfer ist niemand anderer als die Tante des Königs, die wegen ihrer Häresie in einer gottesfürchtigen Welt verrufen ist. Shallan ist sehr intelligent und hat immer einen cleveren Spruch auf den Lippen, aber auch sie hat in ihrer Vergangenheit eine schreckliche Tat begangen, deren Erinnerungen daran sie verdrängt und die nicht rückgängig gemacht werden kann. Der Assassine in Weiß, Szeth-son-son-Vallano, ist auch einer der vier Hauptcharaktere und mit ihm beginnt das erste Kapitel der Geschichte; er ist wie der Stein, der die Wellen auf der Oberfläche eines Sees auslöst. Obwohl der Leser/die Leserin Szeth auf seinen Streifzügen begleitet und sieht, wie er ein Blutbad nach dem anderen anrichtet, wird bald klar, dass er nicht das Monster ist, das er eigentlich sein sollte.
Ein weiterer Charakter und der geheime Hauptprotagonist des Buches ist Kaladin Stormblessed. Einst war er der Lehrling eines Chirurgen und später ein begnadeter Speerkämpfer in der Armee, aber eine fatale Entscheidung von ihm und die Ehrlosigkeit eines anderen haben nicht nur das Leben seiner Freunde, sondern auch seine Freiheit gekostet. Als Sklave mit dem Brandzeichen für "gefährlicher Deserteur" wird er nun zu den "Shattered Plains" gebracht, um die Beute und das Kanonenfutter für die Parshendi in der Armee des Kriegsfürsten Sadeas zu sein. Die Zustände, die die Sklaven in der Armee ertragen müssen, sind furchtbar und auch ich dachte mir manchmal, ob der Tod nicht die bessere Alternative gewesen wäre, aber Kaladin ist etwas Besonderes und er wird nicht umsonst als "stormblessed", sturmgesegnet, bezeichnet. Kaladin hat den Menschen verloren, den er am meisten geliebt hat und er hat den Eindruck, alles was er berührt, wird verdorben und stirbt unweigerlich. Das Schicksal dieser Vier ist verbunden mit dem mysteriösen Buch "The Way of Kings", mit dem sich der König vor seinem Tod intensiv beschäftigt hat. Dalinar, der seinen königlichen Bruder liebte, setzt sich nun ebenfalls mit diesem alten Buch auseinander und es scheint, als gäbe es zwischen seinen Visionen und "The Way of Kings" eine Verbindung ...
Brandon Sandersons Welt wird nicht von Lampen oder Kerzen erleuchtet, sondern von Glaskugeln, die das Licht von mächtigen Stürmen einfangen. Diese Kugeln tragen die verschiedensten Farben und Formen, aber ihr Inhalt ist gleich: Sturmlicht, das den Menschen Licht, Wärme aber auch Reichtum schenkt, denn es stellt das einzige Zahlungsmittel dar. Die Pflanzenwelt ist nicht so apathisch und lebenszeichenarm wie die unsere und ähnelt eher der Pflanzenwelt unter Wasser und es gibt sogenannte "Spren", Naturgeister, die erscheinen, wenn sich ein Zustand verändert z.B. wenn ein Mensch Schmerz empfindet, wird er von Painspren umringt. Nicht alle Spren aber sind für jeden sichtbar - nur ein Sterbender kann Deathspren wahrnehmen und weiß, dass jede Hilfe für ihn zu spät kommen wird. Die Menschen in "The Way of Kings" gehören verschiedensten Völkern und Nationalitäten an und Religion bzw. Atheismus spielt auch eine interessante Rolle. Die Herrschaftshierarchie der Alethi richtet sich nach der Farbe der Augen; helläugige Menschen bekleiden höhere Positionen und sind somit reicher als Menschen mit dunklen Augen. Das mag vielleicht seltsam klingen, aber wenn man bedenkt, dass viele Menschen wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, kommt einem das leider gar nicht mehr so abstrus vor.
Fazit: Brandon Sandersons "The Way of Kings" ist spannend, nachdenklich, überraschend, tragisch und einfach episch! Es geht um romantische Liebe und die Liebe zwischen Familienmitgliedern, Freundschaft und Loyalität unter den schrecklichsten Bedingungen, der Verrat von denen, die einem nahe stehen und vor allem um die Konsequenzen, die man durch seine Taten heraufbeschwört (daher der Titel meiner Rezension). Die Kindheitserinnerungen von Kaladin waren etwas zu detailliert und lang und erst ab der Mitte des Buches wurde es so richtig spannend, aber wenn man das Gesamtwerk betrachtet, sind dies wirklich nur Kleinigkeiten. In der Ausgabe vom Gollancz Verlag enthält das Buch schöne Illustrationen und Zeichnungen, die man nicht verpassen sollte. Mir hat "The Way of Kings" außerordentlich gut gefallen. Super!