Wie meinte Colin Firth in einem seiner Interviews: "Ich war sehr skeptisch. Ein Film der von zwei Männer mittleren Alters handelt, einer davon ein stotternder König, keine Sexszenen, keine Special-Effects - wen soll das interessieren??" Welch ein Glück, dass er seine Bedenken über Bord warf und die Rolle des stotternden Duke of York, den späteren König George VI. dennoch übernahm. Denn Dank ihm und Geoffrey Rush wurde daraus ein Film, wie man ihn gerade in unserer Zeit nur sehr selten sieht. Ein Film der zu Herzen geht, der alles beinhaltet was großes Kino ausmacht. Zwei Hauptdarsteller, auch wenn Geoffrey Rush für den Oscar als Nebendarsteller nominiert war und leider übergangen wurde, die sich derart ergänzen, dass man nur noch voller Bewunderung ist. Ein Film in dem sich witzige und tieftraurige Szenen abwechseln und der sein Publikum begeistert. Ich habe es zum Beispiel vorher noch nie erlebt, dass beim Abspann applaudiert wurde, wie im Theater. Zu Recht!!!
Es ist ein Film, in dem es um die Freundschaft zweier Männer geht, die aus völlig verschienden Welten kommen und die sich unter normalen Umständen niemals begegnet wären. Hier der Duke of York, zweiter Sohn von König George V., der sich auf ein ruhiges Leben mit seiner Familie eingestellt hatte, was ihm sehr entgegenkam, denn er scheute die Öffentlichkeit. Durch sein Stottern gehandicapt und Höllenqualen leidend, wenn er eine Rede halten musste. Dort der gescheiterte australische Schauspieler Lionel Logue, der als Sprachtherapeut arbeitet und dabei sehr unkonventionelle Mittel anwendet. Die Frau des Herzogs, die spätere "Queen Mom" wird auf diesen Mann aufmerksam und bittet ihn ihrem Mann zu helfen.
Durch die Abdankung seines Bruders wird der Herzog dann gezwungen den Thron zu besteigen, gerade in einer Zeit, als der Rundfunk eine immer wichtigere Rolle spielte und Aufzeichnungen noch nicht möglich waren. Das heißt, alles wurde direkt übertragen. Was das für ein Staatsoberhaupt bedeutet, das gehandicapt durch sein schweres Stottern, nicht fähig ist, einen einzigen Satz ohne Schwierigkeiten zu sprechen, darf man sich kaum vorstellen. Dabei zuzusehen, wie sich zwischen dem zukünftigen König und dem australischen Therapeuten ganz langsam eine Freundschaft entwickelt und Vertrauen entsteht, das gehört zum Besten, was man seit langem im Kino gesehen hat.
Es ist ein Kammerspiel zweier ganz großer Schauspieler, Colin Firth und Geoffrey Rush, die sich Rededuelle vom Feinsten liefern, Dank dem wunderbaren Drehbuch von David Seidler, der selbst als Kind stotterte und deshalb genauestens mit der Materie vertraut ist, und der zu Recht mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Er schrieb einen Brief an die Mutter der Queen in dem er ihr mitteilte, dass er ein Drehbuch über Ihren verstorbenen Mann zu schreiben beabsichtige. Sie antwortete, sie hätte nichts dagegen, bitte aber darum, dies nicht zu ihren Lebzeiten zu tun, denn die Erinnerung sei immer noch zu schmerzvoll. Als guter Brite hielt er sich daran, rechnete aber nicht damit, dass er noch über 20 Jahre warten musste, weil Queen Mom erst mit über 100 Jahren starb. :-)
Der Regisseur Tom Hooper, besetzte den Film bis in die kleinsten Rollen mit den besten Schauspielern die Großbritannien zu bieten hat. Sei es Helena Bonham Carter, ganz wunderbar in ihrer Rolle als Frau des Königs, Derek Jacobi als Erzbischof, Michael Gambon als George V., jeder für sich ein Meister seines Fachs. Aber vor allem Colin Firth in der Titelrolle - brillant, wie er diesem zutiefst verunsicherten und gequälten Menschen, sehr zurückgenommen, Dank seiner Ausdruckskraft, Statur verleiht. Er macht diesen Film zum Ereignis. Wer ihn erlebt, wie er am Ende des Films seine Rede an die Nation hält, wohl wissend, was vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs davon abhängt, dass er gerade jetzt nicht versagen darf und diese Rede mit dem Original vergleicht (auf youtube), sieht erst dann, wie brillant er das schaffte. Der Oscar für diese Rolle war hochverdient.
Man sollte sich diesen Film aber nach Möglichkeit nur im Original ansehen. Tut man es nicht, versäumt man das Wichtigste - die Authentizität, die keine Synchronisation, sei sie auch noch so gut, jemals schaffen kann. Es lohnt sich auf jeden Fall die Special-Edition zu kaufen, denn das Bonus-Material ist sehr empfehlenswert und rundet das Vergnügen ab.
Für diesen Film sind 5 Sterne eigentlich nicht genug. Unbedingt ansehen!!