Vielleicht war es beim letzten Mal einfach zu viel. "The Hazards of Love", das fünfte Album der Decemberists, veröffentlicht 2009, war zwar sehr gut, aber auch ein wenig zu episch, wie das bei Folk-Rock-Opern nun mal so ist. Der Nachfolger "The King Is Dead", erschienen im Januar dieses Jahres, ist da bedeutend einfacher gestrickt. Ein Country/Folk/Songwriter-Album, vollgepackt mit tollen Songs ist das. Und das muss ja auch einfach mal reichen.
Böse Zungen dürften jetzt auch behaupten, "The King Is Dead" sei das beste R.E.M.-Album seit vielen Jahren. Denn bei gleich drei Songs griff Peter Buck den Decemberists unter die Arme. Beim Opener "Don't Carry It All" war er nur an der Mandoline, aber bei "Calamity Song" und besonders bei "Down by the Water" hört man ganz deutlich den typischen R.E.M.-Gitarrensound. Während "Calamity Song" aus der "Out of Time"-Zeit sein könnte, ist "Down by the Water" von den Akkorden her beinahe eine Kopie von "The One I Love". Weitere Unterstützung erhielten die Decemberists von Gillian Welch, die bei einer Großteil der zehn Songs den Background-Gesang liefert, zum Abschluss singt Laura Veirs.
Ist die Entscheidung einfach mal auf Songs statt auf ein durchgehendes Konzept zu setzen falsch? Mitnichten. Den Decemberists ist eine wunderbar frische Platte geglückt, die zwar nichts wirklich Neues im Genre beizutragen hat, aber einfach Spaß macht. Besonders "Rox in the Box", ein waschechter Irish-Folk-Song mit Annalisa Tornfelt an der Fiddle, ist gelungen.