Zweifellos ein tolles Album. Begonnen von dem Intro von The Good Don't Last, über die freakigen Soloparts in In The Mouth Of Madness, den Satzgesang von June bis hin zum Finale in Flow weiß The Kindness Of Strangers mit seiner Vielfältigkeit in musikalischer und experimenteller Hinsicht zu überzeugen. In Sachen ruhigen und besinnlichen Momenten, einfach nur groovenden und rockenden Parts und progressiven Riffs und Soli gibt dieses Album alles her, was ein Progfan von einem Progalbum erwartet. Über den etwas kalten Sound kann man dabei wohl etwas hinweg blicken.
Gerade hier merkt man die Einflüsse der Größen des Prog der 70er Genesis, Yes, Emerson, Lake & Palmer und Jethro Tull.
Man höre sich nur mal das Intro von The Good Don't Last an und mache danach mal Tarkus von Emerson, Lake & Palmer an. Auch in Flow gibt es einige Passagen, die man durchaus mit Genesis assoziieren könnte (The Battle Of Epping Forest). Folk Einflüsse, wie sie es schon bei Jethro Tull gabe, findet man auch in The Good Don't Last. Und natürlich sollten im prog auch nicht die abgefreakten Soloparts à la Yes nicht fehlen (In The Mouth Of Madness).
Diese stark hörbaren Einflüsse gab es zwar schon immer (The Doorway <--> Firth Of Fifth von Genesis!), sie haben aber im Laufe der Karriere von Spock's Beard immer mehr abgenommen. Mich stören diese Einflüsse allerdings kaum, weil ich selbst Fan des 'ursprünglichen' Prog bin und ich es toll finde, wie heutige Progbands in Anlehnung an ihre Vorbilder den Prog weiterleben lassen.
Was ich in diesem Album ein wenig vermisse, sind die A Capella Parts, wie sie bei Thoughts Pt. 1 und 2, Gibbierish, Long Time Suffering und später auch in Morses Soloalben auftreten und mittlerweile schon ein Markenzeichen der durch Neal Morse gekennzeichneten Spock's Beard sind. Neal Morse war noch nie ein Sangesgott, aber trotzdem weiß seine weiche, charismatische und angenehme Stimme zu gefallen. Satzgesang gibt es aus The Kindness Of Strangers immer noch viel, aber die reinen A Capella Parts fehlen hier ein wenig.
Fazit:
Naja, was der Gesang nicht hergbit, macht die Musik eben wieder wett! Ich wüsste nicht, was ich zu diesem Album noch schreiben sollte. Das Album hat Qualitäten, die andere Neal Morse Alben auch haben, Spock's Beard werfen aber hiermit ein tolle Platte auf den Markt, dass den Vorgänger Beware Of Darkness, der mir nicht allzu gefällt, um Weiten übertrifft.
AEG - Aus Erfahrung gut!
Friedrich Stenzel, 16