"The Killing Fields - Schreiendes Land" ist ein Film, den jeder einmal gesehen haben sollte. Er behandelt eine Thematik, die Menschen von ihrer schrecklichsten Seite zeigt, so abscheulich, dass man kaum Worte für ihr Verhalten findet. Doch zugleich erzählt Roland Joffés beeindruckender Film von dem zutiefst menschlichen Drang zum Überleben und tiefer Freundschaft. Der von David Puttnam produzierte Film gewann 1985 bei 7 Nominierungen 3 Academy Awards für Kamera, Schnitt und den besten Nebendarsteller Dr. Haing S. Ngor. Darüber hinaus gewann er acht BAFTA-Awards und einen Golden Globe.
Im Zentrum des Films steht Sydney Schanberg, Auslandskorrespondent der New York Times, der Anfang der 70er Jahre vom Bürgerkrieg in Kambodscha berichtet. Unterstützt wird er vom kambodschanischen Journalisten und Dolmetscher Dith Pran, der sich nach einigen Jahren mit Schanberg angefreundet hat. Als 1975 die amerikanischen Streitkräfte das Land verlassen und die Hauptstadt Pnomh Penh von der kommunistischen Partei Rote Khmer eingenommen wird, steht für die Beteiligten plötzlich ihr Leben auf dem Spiel. Die lokalen Botschaften werden nach und nach evakuiert, ebenso wie Prans Familie. Pran entscheidet sich, weiterhin mit Schanberg Bericht zu erstatten, ohne zu ahnen, dass ihm und seinen Landsleuten unvorstellbarer Horror bevorsteht:
Die Rote Khmer unter der Führung des fanatischen Pol Pot sieht vor, das Land in einen mittelalterlichen, kommunistisch geführten Agrarstaat umzuwandeln. Hierfür will er die gesamte intellektuelle Elite beseitigen; Professoren, Lehrer, Ärzte und andere Gebildete wurden schlichtweg beseitigt und als überflüssig erklärt. Unschuldige Menschen wurden auf grausamste Weise gefoltert und getötet, darunter auch Kinder und Babys. Tausende Menschen verhungerten einfach. Es wird geschätzt, dass nicht weniger als 21 % der kambodschanischen Bevölkerung dem Regime der Roten Khmer zum Opfer fiel.
Schanberg kann mit seinen Kollegen zurück nach New York fliehen, doch Pran verschwindet. In der zweiten Hälfte des Films folgen wir ihm, der mittlerweile auf dem Land in einem der vielen Konzentrationslagern der Roten Khmer interniert ist. Er wartet auf seine Gelgenheit, die Flucht zu ergreifen, jede Sekunde der Gefahr ausgeliefert, getötet zu werden. Viele Passagen des Films kommen am Ende ohne Dialoge aus, sie sind geprägt von einem nüchternen dokumentarischen Inszenierungsstil.
Parallel dazu gibt Schanberg währenddessen die Hoffnung nie auf, dass sein Freund noch am Leben ist und schreibt hunderte Briefe an diverse Hilfsorganisationen.
"The Killing Fields" ist ein bemerkenswerter Film, der tief unter die Haut geht und einen lange nicht loslässt. Er behandelt ein schockierendes Thema, das immer noch verhältnismäßig vernachlässigt wird. Ähnlich wie bei dem Genozid in Ruanda 1994, bei dem ca. 1.000.000 Menschen den Tod fanden, bekam die westliche Zivilisation nur am Rande mit, welche unvorstellbaren Gräueltaten in Kambodscha verübt wurden. Auch heute wissen viele nicht einmal von der Existenz dieses Genozids, der in seinem Ausmaß durchaus mit dem Holocaust zu vergleichen ist. "The Killing Fields" ist jedoch ein außergewöhnlich humanitäres Zeitdokument, das eindringlich daran erinnert und zum Standardprogramm in Schulen zählen sollte.
Der Brite Roland Joffé, der für seine Arbeit eine Oscar-Nominierung als bester Regisseur erhielt, inszeniert unaufdringlich und mit präzisem dokumentarischem Auge. Er lässt die Geschichte für sich sprechen, versucht nicht zu verklären und sensationslüstern vorzugehen. Viel mehr steht die Geschichte der außergewöhnlichen Freundschaft zwischen Schanberg und Pran im Vordergrund, die enorm ans Herz geht. Die humanitäre Botschaft des Films lässt niemanden kalt, nach dem Film sieht man mit Sicherheit die Welt in einem etwas anderen Licht.
Besonders bemrkenswert sind auch die beiden Hauptdarsteller Sam Waterston und Haing S. Ngor. Waterston portraitiert Schanberg als abgebrühten und weltgewandten Journalisten, wütend über die Umstände, die er dokumentiert. Haing S. Ngor stand für diesen Film zum ersten Mal vor einer Kamera und lieferte eine der eindringlichsten Darstellungen der 80er. Ngor, der selbst Kambodschaner ist, hatte ein ähnliches Schicksal wie der von ihm portraitierte Pran hinter sich: Als ehemaliger Arzt wurde er von der Roten Khmer inhaftiert und gefoltert. Er verlor seine Frau und emigrierte später in die Vereinigten Staaten. Seine Darstellung im Film ist wenig überraschend zutiefst bewegend und von Herzen kommend, in der Filmgeschichte sicherlich einzigartig. Dafür erhielt er als zweiter Asiate überhaupt einen Oscar (nach Miyoshi Umeki für "Sayonara" 1957). Er spielte noch in einigen anderen Filmen mit, die nicht annähernd an die Qualität von "The Killing Fields" heranreichten. Allerdings engagierte er sich unermüdlich bei karitativen Einrichtungen für sein Heimatland. Er starb 1996 auf tragische Weise bei einem Raubüberfall vor seinem eigenen Haus in Los Angeles.
"The Killing Fields - Schreiendes Land" ist ein enormes filmisches Testament sowohl für großartige Menschlichkeit, als auch für unvorstellbare Unmenschlichkeit. Er zählt ohne Zweifel zu den wichtigsten Filmen der letzten 30 Jahre, vergleichbar mit "Schindlers Liste", wenn auch filmisch nicht ganz so sensationell. Nennenswert ist auch der Einsatz von Mike Oldfields teilweise experimentell anmutender Musik, deren dissonanter Charakter das Geschehen oft auf interessante Weise unterstreicht.