Pervers, sowas lesen zu müssen. Die Wahrheit tut entsetzlich weh, sie aber auch noch schriftlich zu bekommen... Das Autorenteam war einst das Londoner Dance-Projekt KLF, startete als Arbeitslose auf Jobsuche und hatte sich die Funktionsweise der Hitparadenindustrie bewusst gemacht, um selber mit billigsten Methoden die niedersten Instinkte der unmusikalischen Konsumgesellschaft kommerziell erfolgreich zu befriedigen. Im immer wieder vulgären Text steckt sehr viel Ironie, Zynismus (schreiben sie selbst Seite 88) und Verächtlichkeit gegenüber den einzelnen Musikindustriezweigen wie auch der Musik selbst. Das Büchlein referiert wie ein Gedächtnisprotokoll, wie ausschließlich durch geschicktes Kalkül, Raffinesse, Dreistigkeit, etwas Risikobereitschaft und konsequentes Verfolgen der Idee, in die Charts zu kommen, tatsächlich mit Minimalaufwand ohne musischen Sachverstand ein Nummer 1-Hit erreicht wird.
Es geht nur um die Ausnutzung der Wirtschaftsmechanik, nicht um Musik und überhaupt nicht um "Songwriting". Für den unkritischen Leser, der von Musik keine Ahnung hat und an welchen sich das Büchlein richtet, sind etliche Behauptungen nicht als Lügen oder Ironie erkennbar (z.B. diese: >>Alle jemals geschriebenen N.1-Hits bestehen ausschließlich aus Teilen anderer Songs. [...] Es bringt nichts, nach Originalität zu streben.<< (Seite 51) oder >>Alles begann, als Michael Jackson Eddy van Halen auf seiner Thriller-LP spielen ließ<<, was letzterer nie gatan hatte, S.80) und die Grenze zwischen Tatsachen und Wischiwaschi ist immer wieder indifferent. Der Inhalt bezieht sich auf die britische Musiklandschaft von 1988 und ist freilich nicht mal eben so (falls überhaupt) 1:1 auf deutsche Verhältnisse übertragbar.
Eine damals gemachte ironische Bemerkung entpuppt sich heute indessen als Prophezeihung: >>Natürlich werden die Japaner innerhalb kürzester Zeit eine Technologie entwickelt und deren Preis so weit gesenkt haben, dass du dies alles zu Hause machen kannst. Dann kannst du auch den Mist übers Ins-Studio-Gehen knicken.<< (S126). Ferner schreiben sie: >>Glaube nicht, wir hätten angenommen, jemand würde das Buch wörtlich nehmen [...] Vielleicht liegt der einzige Wert dieses Buches darin, als Zeitdokuument zu dienen.<< (S157f). Die Schattenseiten des Musikbusiness gehören ebenfalls zu demselben, nicht nur die Idylle genialer Kreativität.