am 24.1.1975 gebar keith jarrett diese improvisationen, indem er mit der melodie des pausengongs der kölner oper als grundlage der immer weiter ausufernden improvisation begann. kurz ist die daraus resultierende heiterkeit im publikum auch auf der aufnahme zu vernehmen.
jarrett entwickelt wunderbare melodien, die sich immer wieder schließende kreise bilden. vollendete klaviermusik voll innerer kraft und schönheit bei der man hören kann, wie sie im kopf des pianisten entwickelt wird. ruhig und doch ekstatisch ist sein spiel, atemberaubend die spannung, die er immer wieder durch innehalten, durch seine unbarmherzige langsamkeit entwickelt.
dabei stand dieses konzert von beginn an unter keinem guten stern. der von jarrett ausgesuchte flügel langte nicht rechtzeitig ein, zur verfügung war lediglich ein mäßiger stutzflügel, der noch dazu verstimmt war. jarrett musste von vera brandes, der veranstalterin mühsam überredet werden, überhaupt zu spielen. das konzert wurde dann für interne zwecke mitgeschnitten.
später wurde diese aufname von manfred eicher für ECM produziert und von martin wieland gemastert.
erfolg ist natürlich nicht zwingend ein qualitätskriterium, aber rd. 3,500.000 verkaufte exemplare einer schallplatte/CD, die improvisierte pianomusik enthält, sprechen schon für sich. "köln concert" ist damit die meistverkaufte jazz-soloplatte und auch die meistverkaufte klavier-soloplatte.
jarrett selbst möchte diese aufnahme zwischenzeitig am liebsten einstampfen lassen, hat ihn doch der geburtsvorgang zuerst viel substanz gekostet, dann gab es viel hin- und her über transkriptionen in notenform (jarrett gab schließlich die erlaubnis zur veröffentlichung) und es nervt ihn wohl, immer auf diesen, seinen größten erfolg, angesprochen zu werden.
es wäre schade darum. millionen menschen haben wohl schon berauschend schöne momente mit dieser musik erlebt. zb hörte ich diese scheibe einmal im zuge eines segeltörns als die sonne aus dem meer stieg, wind aufkam und der katamaran immer schneller über das spiegelglatte meer glitt - so was vergisst man nie wieder...
nun ist es also schon wieder mehr als 35 jahre her, dass diese großartige aufnahme entstanden ist, die vinyl-auflage zum jubiläum hat eine weile auf sich warten lassen.
aber jetzt gibt es sie wieder, die legende, die vermutlich schönste und berührendste solo-piano-platte aller zeiten.
sie klingt noch durchhörbarer als das original, da ist gute arbeit beim mastering geleistet worden. die angesprochene heiterkeit im publikum ist deutlicher wahrzunehmen, auch jarrett's mitwimmern ist klarer und abgegrenzter zu hören.
selten trifft das attribut "must have!" so zu wie hier!