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Wer das John Coltrane Quartet in Hochform hören möchte, sollte sich an diese CD halten. Die Aufnahme ist vom 17./18.11.1965. Es spielen John Coltrane (Tenor- und Sopransaxophon), McCoy Tyner (Klavier), Jimmy Garrison (Kontrabass) und Elvin Jones (Schlagzeug). Verstärkt wird das Quartet von Art Davis (Kontrabass) während des Standards Nature Boy.
Chim Chim Cheree stammt aus dem Musical Mary Poppins. John Coltrane arbeitet mit dem einem Kinderlied ähnelnden Thema wie zuvor mit My Favourite Things (siehe gleichnamige CD). Seine ausgefeilte Technik auf dem Sopransaxophon kommt voll zur Geltung. Er spielt in hohen Registern und entwickelt ständig neue melodische Ideen, die das einfache Thema schnell vergessen lassen.
Die Eigenkomposition Brazilia beginnt mit einem Intro, das wohl jeden Jazzfan vom Hocker reisst. Elvin Jones' Trommelwirbel bilden den Hintergrund für Coltranes Improvisationen. Hier merkt man, wie gut eingespielt das Quartet zu dieser Zeit war. Während der Soli bilden McCoy Tyners Quartakkorde eine solide harmonische Grundlage für John Coltranes virtuose Linien, setzen aber auch wichtige rhythmische Akzente, die von Elvin Jones in seinem unnachahmlichen polyrhythmischen Spiel aufgegriffen werden. Brazilia endet mit einem donnernden Trommelwirbel und greift auf diese Art und Weise das Intro wieder auf. Der Kreis schliesst sich.
Für Nature Boy holt sich John Coltrane einen zweiten Bassisten ins Boot: Art Davis, der sowohl das Jazz als auch das Klassik Repertoire beherrscht. Sein Bogenspiel passt sich perfekt in das mittelschnelle Tempo ein, das von Elvin Jones und Jimmy Garrison vorgegeben wird. John Coltrane gibt ein gutes Beispiel seiner Sheets of Sounds Technik. Sein fulminanter Tenorsound gibt seinen Klangstrukturen eine enorme Tiefe. Inspiriert von den beiden Bassisten, lotet er die rhythmischen und melodischen Möglichkeiten seiner zum Quintet erweiterten Gruppe aus.
Coltranes Eigenkomposition Song of Praise besticht in dieser Aufnahme vor allem durch Jimmy Garrissons lange Einleitung. Seine unglaubliche Technik auf dem Kontrabass erinnern an die Meister der spanischen Gitarre.
Eine weitere Komposition von John Coltrane, Feelin' Good, rundet diese gelungene Einspielung ab. Feelin' Good war auf der ursprünglichen Platte nicht enthalten - ein Bonus Track für jeden Coltrane Fan.
Die CD entstand auf dem Höhepunkt des klassischen John Coltrane Quartets. Im Laufe des Jahres 1965 beginnt John Coltrane, mit Archie Shepp und Albert Ayler die Möglichkeiten freier Improvisation auszuloten. Diese Entwicklung führt dazu, dass McCoy Tyner das Quartet verlässt. Elvin Jones hört im März 1966 auf.
Ich kann diese Aufnahme sehr empfehlen. Sie war eine der ersten Coltrane CDs in meiner Sammlung und ist mir im Laufe der Jahre ganz besonders ans Herz gewachsen.
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