Michael Bay is back, diesmal zwar ohne Jerry Bruckheimer dafür aber mit dem Media-Ventures-Komponisten, der schon das von Bay produzierten Horror-Remake „The Texas Chainsaw Massacre" vertonen durfte. Nach Horror und dem japanischen Animationsfilm „Steamboy" widmet sich Steve Jablonsky nun dem Science-Fiction Blockbuster „The Island".
Deutlich im Stile vorangegangener Media-Ventures und John-Powell-Werke wie den Bourne Scores, „Paycheck", „Spy Game", „The Recruit" und „Phone Booth" liefert Jablonsky hier einen High-Tech-Score ab, der relativ dezente Orchesterpassagen und Chorelemente mit reichlich Drums, Percussion und Synthie-Elementen und Effekten verbindet. Das Ganze wurde von „Altmeister" Hans Zimmer produziert und äußerst druckvoll und treibend abgemischt. Die Leitmotive sind dabei recht dezent gehalten, werden allerdings meistens vom Orchester getragen und verweisen dadurch alle die vielen Drums und Synthies auf die Begleitwerk- und Atmosphäre-Bank. Das Ganze klingt dabei recht stimmungsvoll, mal spannend, mal hektisch, ordentlich abwechslungsreich und doch einigermaßen nach Science Fiction, was vielen Orchester-Puristen oft nur leidlich gelingt.
Also hat Jablonsky zumindest schon mal die Vorgabe von Bay erfüllt. Leider jedoch muss man Jablonsky an mehreren Stellen des Plagiats bezichtigen, was die Originalität des Gesamtwerkes etwas abschwächt. So hat er sich an manchen Stellen doch zu deutlich von z.B. dem „Phone Booth"-Score seines Mentors Harry Gregson-Williams „inspirieren" lassen, was dann in Tracks wie „You Have a Special Purpose in Life" überdeutlich heraus sticht. Und spätestens beim letzten Score-Track „My Name Is Lincoln" merkt man überdeutlich, dass Michael Bay im Temp-Track Zimmers/Gerrards „Now We Are Free" aus dem „Gladiator"-Soundtrack reingebastelt haben muss, das Jablonsky nun versucht hat musikalisch leicht plagiativ zu erreichen. Sein Scheitern daran vermiest den Score jedoch nicht unbedingt, sondern liefert ein sehr melodisches und stimmungsvolles, wenn auch nicht übermäßig originelles Endstück ab. Dass Jablonsky es kreativer kann beweist er in diesem Score mit Tracks wie „Mass Vehicular Carnage", der einen Sprechgesang enthält, oder auch den darauf folgenden Tracks, die immer wieder äußerst anhörliche Actionkost bieten. Den Abschluss der CD bietet der Nu-Metal-Track „Blow" von The Prom Kings, der an sich ganz gut klingt und auch dem Gesamteindruck der CD nicht schadet, jedoch als Abspann-Musiktitel für Filme dieser Art schon so zur Regelmäßigkeit geworden ist, dass man fast von stereotyp sprechen muss.
Ergo: Steve Jablonsky ist ein guter, durchaus hörenswerter Score gelungen, der das Science-Fiction-Thema des Films passend unterstützt. Leider erreicht Jablonsky hier nicht die Kraft seines Vorgängers „Steamboy" und manchmal fallen einem manche Verwandtschaften zu bereits erschienen Scores zu deutlich ins Ohr. Man muss halt wieder einmal sagen, dass es bei neuen Scores oftmals ein Segen ist, die Scores nicht zu kennen, bei denen sich der Komponist bedient hat. However, Jablonsky mag kein Meilenstein gelungen sein; abwechslungsreiche, spannende und durchaus hörenswerte Musik bietet der Score allemal. Steve Jablonsky sollte man im Auge bzw. Ohr behalten.