THE IRON DUKE bildet den Auftakt zu einer Steampunk Liebesromanreihe von Meljean Brook. Es war mein erster Roman von dieser Autorin, die besser für ihre Paranormalen Liebesromanreihe, The Guardians, bekannt ist. Könnte man THE IRONDUKE in Liebesroman und Steampunk aufsplitten, würde ich ersterem 0 Sterne und letzterem 4,5 Sterne geben. Der Roman ist eine seltsame Mischung aus Originalität und Klischees aus Liebesromanen, feinen gesellschaftspolitischen Nuancen und romantischen Holzhammermethoden. Die Figur des Helden und dessen "gute" Vergewaltigung der Heldin, empfand ich als höchst problematisch.
Das Klischée der "guten" Vergewaltigung ist vor allem in Liebesromanen älteren Datums sehr beliebt. Dabei wird die Heldin statt von einem Bösewicht von ihrem Helden vergewaltigt. Die Vergewaltigung ist "gut", weil sie von vielen Liebesromanlesern (unbewusst) gebilligt wird. Das Trauma wird schnell überwunden und die Konsequenzen sind fast nur positiv. Was auch immer zwischen einer sexuellen und romantischen Beziehung und dem Heldenpaar stand, wird mit der Vergewaltigung aus dem Weg geräumt und die Heldin darf ihre Sexualität ausleben. Zugleich gewinnt die Heldin durch ihre Vergewaltigung Macht über den Helden, der nach diesem Akt immer mehr zum ergebenen Liebhaber und letztendlich zum perfekten Ehemann transformiert. Der Held wird obendrein durch Rauschzustand/schreckliche Kindheit/Fehlinformation/etc. entschuldigt.
Rhys ist der Iron Duke, ein Pirat der zum Krieghelden wurde. Gesellschaftlich unantastbar und durch eine Mutation jedem Durchnittsbürger weit überlegen, ist er der Prototyp des dunklen, und wie wir später erfahren, leidgeprüften Alphamännchens. Bereits auf Seite 36 gesteht er "his urgent need to posess" Mina. "Take", "posess", "have" und "mine" sind die gängigsten Wörter in Rhys Vokabular.
Auf Seite 64 analysiert Mina die Gefahr: "So this is how it would be? When pirates took over a ship, they usually gave the crew a choice between keeping their positions under a new captain, abandonment, or death. What choice would he give to her? She accepted his offer, or he ruined her family? Or would he simply rape her here? What could Trahaearn do to her family that he Horde hadn't already done? Nothing. And her family had always fought back, always, survived. The only danger he posed was to Mina's person and her career - but no matter the damage he caused, she would survive that, too."
Mina kann der sehr realen Gefahr der Vergewaltigung nicht ausweichen, will sie ihre verarmte Familie weiterhin mit ihrem Gehalt als Inspektor unterstützen. Rhys nützt ihre Zwangslage aus und versucht es mit immer wieder Mina ins Bett zu bekommen, was diese wiederum entschieden ablehnt. Mit der Zeit erwärmt sie sich für den Iron Duke, gesteht ihre Attraktion zu ihm ein, wird ihm gegenüber verletzlich. Dann schlägt Rhys zu und vergewaltigt sie auf Seite 227 mittels Cunnilingus. Die Vergewaltigung ist sehr geschickt erzählt. Um den Leser nicht zu sehr gegen den Helden aufzubringen, wird die Szene aus seiner Sicht erzählt. Rhys ist leicht betrunken und sexuell erregt und erkennt Minas eindeutige Signale nicht (verbale Zurückweisungen, Zurückstoßen, Haarereißen, Weinen) und beschert ihr einen Orgasmus.
Diese "gute" Vergewaltigung stellt den Wendepunkt in Minas und Rhys Beziehung da. Mina darf nun ihre Sexualität ausleben und ihre Sehnsüchte erfüllen, während Rhys Charakter differenzierter dargestellt wird - weg vom stereotypen Alphamännchen, hin zum realistischen Charakter.
Bei der Aussage, die dieses Buch - die alle solche Bücher treffen - fehlen mir die Worte:
Die Heldin muss vergewaltigt werden, um ihr Happy End mit dem Vergewaltiger zu bekommen.
Der Held muss die Heldin vergewaltigen, um ein besserer Mann und damit ein idealer Ehemann für sein Vergewaltigungsopfer zu werden.
So gut der Rest von diesem Buch auch sein mag, kann ich ihm aufgrund der problematischen Darstellung des Helden und der "guten" Vergewaltigung nur zwei Sterne geben.