Die meisten Revolutionen verliefen blutig. Auch heute, wo wir am Beginn einer Information Revolution, eines digitalen Zeitalters stehen scheint es Opfer zu geben. - Menschen, die mit den neuen supertollen Produkten einfach nicht zurecht kommen können. An und für sich ist es ja nicht verwunderlich, dass ein paar Softwareprodukte nicht besonders einfach bedienbar sind, seltsam ist nur, dass es heutzutage die große Masse der Programme ist, die einem das leben schwer macht.
"Bill Gates once observed, with uncharacteristic cynicism, that the way you made software user- friendly was by making a rubber stamp and stamping each box with the legend "USER FRIENDLY." Unintentionally, his method has become the computer industry's real method."
Alan Cooper hat erkannt, wie man die Situation verbessern könnte. Nicht, indem man ein weiteres Buch für die paar Interface Designer schreibt, die sich der Tragödie ohnehin bewusst sind, sondern eines, das sich an diejenigen richtet, die das Sagen haben. "The Inmates are Running the Asylum" ist das erste Buch über User Interface- Design, oder wie es Cooper nennt "Interaction Design", für alle, die noch nie damit zu tun hatten.
Die Rechnung geht auf: "The Inmates are Running the Asylum" ist ein hervorragender Einblick in die Welt des Software Designs allgemein und die des User Interface Designs im Besonderen. Es erklärt ausführlich, was an den bisher üblichen Abläufen der Softwareentwicklung falsch ist und wie einfach man diese verbessern könnte. Darüber hinaus führt es gut in die Cooper'sche Methode des "Goal Directed Designs"* ein und zeigt, wie falsch es eigentlich ist, Programme für "Den User" zu entwerfen. Cooper bringt immer wieder exzellente Beispiele unter anderem gibt er einen kleinen Einblick wie chaotisch die Produktentwicklung bei Microsoft abläuft. (Er ist quasi der "Erfinder" von Visual Basic)
Die wichtigsten Feststellungen des Buches:
# Design must be done before programming.
# Let interaction designers do the designing, let programmers do the programming.
# The only thing more expensive than writing software is writing bad software.
# Design for just one person.
# Design for the user's goals, not for specific tasks.
Ich bin sehr froh, dass ich das Buch gelesen habe und möchte jedem, der in irgendeiner Form vor hat, etwas im Bereich der Softwareentwicklung zu erreichen, dasselbe raten: Lest dieses Buch! Es gibt aber eine Sache, die mir negativ daran aufgefallen ist. Abgesehen davon, dass sich Cooper schon ein paar mal wiederholt, was aber nichts ausmacht, ist die Art, wie er über Programmierer schreibt, schon etwas verwunderlich. In einigen Kapiteln hat es fast den Anschein, Programmierer wären keine Menschen. Da helfen beschwichtigende Sätze, die zeigen, wie er es (hoffentlich) eigentlich meint auch nicht wirklich. Manchmal artet das dann sogar in so lächerlichen "Wir gegen die Programmierer" - Phrasen aus. Schade, denn der eigentliche Weg, zu guter Software zu gelangen besteht letztlich immer in einer guten und kooperativen Zusammenarbeit zwischen der Entwicklungsabteilung und der Design - Abteilung.
Wie gesagt, abgesehen davon ist dieses gut geschriebene, allgemein verständliche und amüsante Buch einfach rundum empfehlenswert.