Die „Informers" sind 13 Kurzgeschichten aus Malibu und Beverly Hills, die etwa 1982-84 stattfinden. Die Männer sind Filmbosse, berühmte Regisseure oder Musiker, jedenfalls nie zuhause. Die reichen, vernachlässigten Ehefrauen langweilen sich, halten sich vielleicht einen Surfer als Liebhaber, und greifen ansonsten schon beim Aufstehen zu Valium und Librium. Die Kinder sind entsprechend. Reich, voller Drogen, Dekadenz und Langeweile lebt diese saturierte Gesellschaft gleichgültig vor sich hin. Man hat alles und sollte glücklich sein, doch es fehlen Ziele, die man noch erreichen will, es gibt keine Träume, keinen Kampf mehr. Es kommt zu derbsten sexuellen Ausschweifungen im Drogenrausch. Die Zustände sind skurril. Interessant sind u.a. die Briefe des netten Kleinstadtmädchens Anne, das nach L.A. zieht: innerhalb weniger Monate verändert sie sich und passt sich dieser emotionslosen Gesellschaft an - der Tod ihres besten Freundes lässt sie am Ende völlig kalt, ist gerade einen Nebensatz wert.
Ein Leben in der Sinnlosigkeit, ein düsteres Buch. Die Geschichten sind Ausschnitte aus diesem Leben, fangen irgendwo an, und hören teils mittendrin auf - doch es reicht, was man gesehen hat. Sie erzählen von scheinbar banalen Vorgängen wie einem Mittagessen, einem Urlaub oder einem Gespräch in der Bar, doch überall scheint die zerrüttete innere Leere durch. Immer wieder Gedanken an Selbstmord oder, fast als Erlösung, der Tod eines Bekannten.
Zum Ende hin zieht das Böse dann stark an. Sind die ersten Geschichten noch eher ein lethargisches Dahindümpeln, bekommt man zum Ende hin einen Vorgeschmack auf den sadistischen "American Psycho", Ellis Meisterwerk. Alles in allem ein sonderbares, faszinierendes Buch einer entrückten Welt. Allerdings so düster, dass ich es nur sehr begrenzt für Jugendliche geeignet halte.