John Malkovich ist einer der größten Schauspieler seiner Zeit, und trotzdem war ich selten so enttäuscht wie von der "Infernal Comedy". Dieses Machwerk will zuviel: Es kombiniert klassische Opernarien mit einer zeitgenössischen Serientätergeschichte, lässt zwei Sopranistinnen mit gekünsteltem Operngehabe auf modernes Sprechtheater treffen und hofft, dass allein die charismatische Persönlichkeit von Malkovich schon irgendwie dieses inkongruente, unstimmige und abstruse Aufeinandergepralle in ein harmonisches Ganzes integriert. Nur leider klappt das nicht!
John Malkovich dominiert zwar das Bühnengeschehen und ist Zentrum von Spannung und Geschichte, aber nur ein Drittel der Zeit auf der Bühne. Das heißt, von anderthalb Stunden hat Jack Unterweger nur eine halbe Stunde zur Verfügung, während die Arien den Rest der Zeit einnehmen. Während jeder der Arien brachen für mich jedes Mal Erzählstrang und Spannung weg; Weber, Mozart und Vivaldi mit Jack Unterweger zu kombinieren, wirkte auf mich möchte-gern-intellektuell/-avantgardistisch, und ich war während des Gesangs schlicht gelangweilt, statt emotional betroffen zu sein. Jedes Mal freute ich mich auf die Rückkehr von Malkovich auf die Bühne, doch wurde ich im Verlauf des Machwerks auch hier immer enttäuschter.
Die Geständnisse von Jack Unterweger sind eindimensional ohne Ende. Anfangs nimmt Malkovich das Publikum gefangen; rasant eröffnet er die Vorstellung, nimmt Schwarzeneggers österreichischen Akzent aufs Korn, stellt dem Publikum Fragen (das aber nicht antwortet - oder das gar nicht antworten soll?), verlässt die Bühne, marschiert durchs Publikum und grabscht den Sopranistinnen an die Oberweite. Aber abgesehen von dieser an der Oberfläche wirksamen Show: Was genau erzählt uns denn Jack Unterweger? Er reißt verschiedene Themen seines Lebens an, macht sich z.B. lustig über die Frauen, die sich ihm zu Füßen werfen, über die Polizei, die er zuerst anruft, bevor sie sich bei ihm meldet, über seine cleveren Erfindungen wie die seiner Kindheit voller Mißbrauch, usw. Aber durch nichts davon gewinnt die Figur von Unterweger an Tiefe; er hechelt durch viele Punkte seines Lebens, aber er hat schlicht zuwenig Zeit, in einer halben Stunde Airtime irgendwas Substanzielles zu hinterlassen. Am Ende seines Lebens hatte er wohl eine echte Beziehung zu einer Frau, die er belog - aber mehr erfährt man nicht. Was hat ihn dazu getrieben, Frauen umzubringen? Keine Ahnung. Hat wohl irgendwas mit seiner davongelaufenen Mutter und einer BH-Fixierung zu tun. Warum hat er sich selbst umgebracht? Weiß wohl auch der Autor des Stückes nicht, und daher darf hier John Malkovich einen oberflächlich witzigen, aber insgesamt hohlen Abgang von der Bühne machen.
Den Vogel schießt der Autor jedoch ab, als er Jack Unterweger Teile seiner eigenen Wikipedia-Seite vorlesen lässt. Die hatte ich während einer der vorhergehenden Operneinlagen vor Langeweile auch schon gelesen, und sie enthielt mehr Information und Spannung als die "Infernal Comedy". Ebenso hatte ich die drei Seiten Klappentext auf der DVD schon gelesen, die mehr zu Unterweger sagen als das Stück, und ich erinnerte mich wehmütig zurück an Malkovichs Besuch bei Harald Schmidt, wo auch Malkovich spannender über Unterweger erzählte, als es sein Text in der "Infernal Comedy" zulässt.
Fazit: Die "Infernal Comedy" ist weder höllisch noch eine Komödie, sondern ein kompletter Reinfall trotz John Malkovich. Eine Verschwendung von Zeit und Geld, einfach nur ärgerlich.