Oasis durchleben gerade ihr persönliches „Elvis 1968". Genau zehn Jahre, nachdem sie als neue Superstars gefeiert wurden, und nach Jahren des Ausverkaufs und Ausgelachtwerdens, in denen sie als ihre eigene Karikatur, nur noch sich selber reproduzierend und „too old at thirty" abgestempelt waren (und alles auch zu Recht), überraschen sie mit einer Rückkehr zur Bestform. „Lylah" war schon ein Hammer und klang, als ob die Rolling Stones den offiziellen Song zu den Olympischen Spielen 2012 zu schreiben versucht hätten: Stadion-Rock im allerbesten Sinn. Der Nachfolger fällt nur wenig schwächer aus, könnte aber gegensätzlicher nicht sein.
„The Importance Of Being Idle" (zum zweiten Mal nach „Don't Look Back In Anger" verrät der Titel, dass Noel Gallagher wohl doch ab und zu ein Buch liest oder ins Theater geht) setzt die große englische Tradition der halb ironisch und halb ernst gemeinten Faulenzer-Sommer-Songs fort. Kinks-Spezialisten werden sich an „Drivin'" und „Sunny Afternoon" und am meisten an „Sitting In The Midday Sun" erinnert fühlen. Noels Interpretation verweist ebenfalls ganz klar auf Ray Davies, und damit kann er gar nichts falsch machen. Eine noch größere Überraschung liefert aber Brüderchen Liam mit dem zweiten Stück. Wer ihn bisher für weitgehend talentfrei gehalten hat, sollte seine Meinung jetzt revidieren. „Pass Me Down The Wine" ist ein auch sehr Sixties-orientierter Mid-Tempo-Song mit einer reizenden Quietsch-Orgel und einem ganz eigenen Charme, wie ihn The Move um 1967 gemacht haben könnten.
Warum ich keine fünf Sterne gebe? Weil es ruhig noch ein wenig mehr hätte sein können auf dieser Single. Zwei hervorragende Songs, auf die das sehr kurze „The Quiet Ones" von Gem Archer als Auslaufrille folgt, da bleibt der Wunsch nach Nachschlag offen.
Vielleicht war es die Wut über die schlechte Presse, oder ihre eigenen Platten kotzten sie nur noch an (wie einst bei Elvis), vielleicht hat auch das Auftauchen so vieler jüngerer Bands wie Mando Diao, The Libertines u.a. Oasis dazu motiviert, allen zu zeigen, was sie noch drauf haben.
Wünschen wir uns, dass darauf nicht wieder zehn Jahre Stillstand folgen.