Ich hielt The Immortals ' Tochter der Finsternis keineswegs für ein Meisterwerk, ich fand es schlichtweg nett und hielt es für kein schlechtes Buch, um sich nebenher die Zeit zu vertreiben, was auch mit der geringen Seitenanzahl zusammenhängt. Zwar bin ich eine absolute Leseratte und habe auch nichts gegen gigantische Tausend-Seiten-Wälzer, aber gegen 'schmälere Kost' habe ich hin und wieder nichts einzuwenden.
Erst einmal finde ich das Cover sehr schön, das Spitzenmuster wirkt richtig hübsch, der Titelschriftzug fällt auf dem schwarzen Grund sofort auf. Zudem könnte das Mädchen auf dem Cover tatsächlich die Protagonistin des Romans, Sykler van Alen, sein. Das ist ja, wie wir alle wissen, selten genug der Fall. Was mir allerdings zu rätseln gibt, ist dieser Rabe mit seinem Ast. Das lässt es ja fast aussehen, als handele es sich bei diesem Werk um eine moderne Gothic-Novel, was ganz-ganz-ganz sicher nicht der Fall ist. Raben spielen weder eine Rolle in dem Buch noch werden sie allzu oft mit Vampiren in Verbindung gebracht (eher noch Fledermäuse oder Wölfe).
Zudem ist der Rückentext geradezu dämlich. 'Sie sind schön, reich und unsterblich... Langes dunkles Haar, tiefblaue Augen, cooles Outfit ' Skyler ist das schönste Mädchen auf der Duchesne Highschool in Manhattan. Schön wie ein Engel. Doch Skyler ist kein Engel: Sie ist die Nachfahrin einer jahrtausendealten Familie von Vampiren.' Äh... schön, und was wissen wir jetzt über das Buch? Zumal nirgends steht, Skyler sei das schönste Mädchen der Duchesne, lediglich, dass sie eines von vielen schönen Mädchen dort ist. Wie sich 'cooles Outfit' definiert, wüsste ich auch mal gern (Skyler ist ein Gothic(-Wannabe), der 50Cent hört. Genau.), und sie stammt aus keiner jahrtausendealten Vampirfamilie.
Die Charaktere hingegen sind sehr sympathisch. Skyler herself ist geradezu niedlich ' aber nicht cutesy-poo ' ihr Kumpel Oliver ein witziger, lieber Charakter, und selbst in Charaktere wie Mimi, Jack oder Cordelia kann man sich gut hineinversetzen, wenn mich auch Letztere ein wenig an die Große Nannane aus Anne Rices Chronik der Vampire erinnerte, aber das kann Zufall (oder Besessenheit :P) sein. Skylers Schulfreunde Dylan und Bliss sind ebenfalls beide sympathische Figuren und es macht Spaß, Zeit mit ihnen allen zu verbringen. Die streng geregelte Welt der Duchesne Highschool mag dem 'Außenstehenden' etwas rätselhaft erscheinen, aber hey ' welches Mädchen hat sich noch nie gewünscht, auf eine richtig luxuriöse Schule gehen zu können? Mir zumindest hat sie sehr getaugt.
Was mich allerdings ein wenig irritiert, ist, dass es zwar anfangs heiß, Skylers Familie hätte kaum noch Geld und sie könne sich kaum die 25 Dollar Eintritt für einen Club leisten, aber sie läuft doch in durchaus teurer Kleidung wie Militärjacken oder Kleidern aus den 50ern herum und besitzt einen iPod. Ich selbst komme aus einer wenig begüterten Familie und weiß daher ganz genau, dass man selbst in Secondhandläden solches Zeug nicht billig bekommt. Auch ihre Großmutter Cordelia, die regelrecht spar-besessen ist, schleppt Skyler in luxuriöse Restaurants und trägt Kleidung von Chanel. Quasi jede zweite Nacht wird außerdem in einem Hotel verbracht. Na, was denn nu?
Den Ursprung der Vampire, wie er in diesem Buch geschildert wird, finde ich gut durchdacht und originell (und das meine ich ausnahmsweise nicht sarkastisch). Dass sie von verstoßenen Engeln abstammen, ist einmal etwas Neues und diese 'Sozusagen-Unsterblichkeit' - sie sind nämlich sterblich, werden aber immer wiedergeboren - finde ich ebenfalls interessant, wenn ich es auch so an meinen 'eigenen' Vampir-Charakteren nicht umsetzen würde. Wenn die Autorin geübter gewesen wäre und einen besseren Schreibstil an den Tag gelegt hätte, wäre diese Idee auch plausibler erschienen. So nämlich hapert es doch ein wenig an der Glaubwürdigkeit, wirkt weit hergeholt und dadurch irgendwie abstrus. Außerdem finde ich es doch etwas eigenartig, dass sämtliche Schüler sofort geglaubt haben, dass sie Vampire sind.
Eine Wendung hat mich ganz phänomenal gestört ' nämlich dass ausgerechnet Charles Force der Erzengel Michael sein soll. Ähmm... der hat seine Einstellung über die Jahre hinweg ziemlich geändet, oder? Überhaupt nervt mich auch dieser sehr saloppe Umgang mit Dingen und Bezeichnungen, die vielen Millionen Menschen auch in Deutschland sehr wichtig sind. Wenn jemand, der streng christlich ist, dieses Buch liest, mag es ihm durchaus sauer aufstoßen, dass der Erzengel Michael (sowie weitere) als korrupter, herablassender Businessman geschildert wird. Und wieso soll man seine Beweis-Tätowierung nicht fälschen können? Für mich schaut das nach einem Rubbeltattoo aus der aktuellen Disney-Prinzessinnen-Ausgabe aus.
Das Buch würde ich bedingt empfehlen ' wenn man gerade auf der Suche nach einer 'Auszeit' ist, ist es sicher nicht schlecht, wer aber tiefschürfende, intelligente Literatur will, der sucht besser woanders. Die Fortsetzung aber werde ich auf jeden Fall lesen.