Aus der Amazon.de-Redaktion
Jeder darf mal ein Pop-Album machen: Herbie Hancock auch! Ein Grund zum Freuen, denn gute Popmusik ist selten genug – Herbie Hancock & friends sind gnadenlos überqualifiziert, aber auch hoffnungslos begeistert.
The Imagine Project ist fantastisch produziert, und Hancock hat mal wieder jede Menge ausgezeichnete Sänger eingeladen (wie schon beim preisgekrönten Album
River: The Joni Letters, 2007). Ist das jetzt alles toll? Der legendäre Jazzgigant am Klavier würde vermutlich strahlen: „alles super“! Hancock hat kein Problem damit, das eigene Genre zu verlassen oder eigenwillige Sounds zu zelebrieren, auch wenn das manchmal in die Hose geht; das juckt ihn nicht. Diesmal hat es gut geklappt.
The Imagine Project ist ein Crossover-Album mit Pop, Rock, Folk, Latin, arabischen und indischen Momenten und wurde an verschiedenen Orten in der Welt aufgenommen. Hancocks Motivation: „…es soll die Kraft und Schönheit globaler Zusammenarbeit zeigen, als ein goldener Pfad zum Frieden“. Na ja, so richtig international klingt es dann aber doch nicht, was Herbie Hancock mit Rhythmusgruppen wie Vinnie Colaiuta (Schlagzeug), Larry Klein oder Marcus Miller (Bass) zusammenbrutzelt. Sicherlich, es spielen und singen viele verschiedene Künstler unterschiedlicher Nationalität, auch Individualist Lionel Loueke aus Afrika (Gitarre) setzt häufig zarte, eigenwillige Akzente; aber der Tenor bleibt doch amerikanisch. Die Highlights der CD wurden von John Lennon, Peter Gabriel und Sam Cooke geschrieben. Richtig klasse sind eigentlich nur ein paar wenige Nummern, da glänzen vor allem Solisten wie India.Arie, John Legend, Pink, und James Morrison. Insgesamt ist
The Imagine Project, wenn auch manchmal etwas oberflächlich, sicherlich eine prima Aufnahme - selbst wenn sie an die herausragende Joni Mitchel-Hommage von 2007 nicht heranreicht.
--Katharina Lohmann
Kurzbeschreibung
Tracklisting: 1. Imagine (Featuring Pink, Seal, India Arie & Jeff Beck)
2. Don t Give Up (Featuring Pink and John Legend)
3. Tempo De Amor (Featuring Ceu)
4. Space Captain (Featuring Susan Tedeschi and Derek Trucks)
5. The Times, They Are A Changin (Featuring The Chieftans and Lisa Hannigan)
6. La Tierra (Featuring Juanes)
7. Tamitant Tilay/Exodus (Featuring K Naan and Los Lobos)
8. Tomorrow Never Knows (Featuring Dave Matthews)
9. A Change is Gonna Come (Featuring James Morrison)
10. The Songs Goes On (Featuring Chaka Kahn, Anoushka Shankar and Wayne Shorter)
Nur wenige Musiker haben Jazz und Pop derart zusammengeführt wie der große Herbie Hancock. Im April feierte der mehrfache Grammy-Preisträger und Musikpionier seinen 70. Geburtstag. Mit "The Imagine Project" erscheint nun Hancocks neues, beispielloses Aufnahmeprojekt, das er mit einer Reihe von Superstars aus aller Welt verwirklicht hat. Mit SEAL, PINK, INDIA ARIE und JEFF BECK nahm Hancock den Beatles-Klassiker "Imagine" auf, der das Album eröffnet. Weitere Titel sind: "Don't give up" mit PINK und JOHN LEGEND, "The song goes on" mit ANOUSHKA SHANKAR, CHAKA KHAN und WAYNE SHORTER, "A change is gonna come" mit JAMES MORRISON, "Tomorrow never knows" mit DAVE MATTHEWS, "Space Captain" mit DEREK TRUCKS, "The Times, they are changin'" mit den CHIEFTANS, LISA HANNIGAN, LIONEL LOUEKE und MANU KATCHE oder "La Tierra" mit JUANES und MARCUS MILLER. So weit wie mit dem "Imagine Project" hat Herbie Hancock sich vielleicht noch nie vom Sound des Jazz entfernt, seiner Grundidee allerdings ist er schon lange nicht mehr derart nahe gekommen.
„Einfach schön. Einfach genial.“
Jazzpodium, 07/08 2010
„Musikalische Globalisierung – jenseits der Vorstellungskraft. Denn wie transparent die Einzelteile, Instrumente und Stimmen hier klingen, sich aber dennoch stimmig zu einem großen (globalen) Ganzen fügen, das ist das Werk eines wahren Genies.“
Stereoplay, 08/10
„…ein einzigartiges Musik- und Filmprojekt…“
ARD ttt, 11.07.10
Die zweite Dekade des 21. Jahrhunderts ist geprägt von einer Philosophie, die bis dato als Kernformel von Swingerclubs galt: Alles kann, nichts muss. Während sich die politische Klasse mit diesem Credo in die Belanglosigkeit koaliert, forscht die künstlerische Elite mit dem gleichen Leitgedanken nach dem jeweils gemeinsamen Kern sich vermeintlich ausschließender Genres. Zugegeben: Ein langer Anlauf für die Feststellung, dass Herbie Hancock mit seinem "Imagine Project" nicht nur künsterlische Lagermentalitäten bricht, sondern auch publikumswirksam Verbindendes leistet. Wer etwa Pinks Akustikset während eines "Funhouse"-Konzerts erlebt hat, wundert sich nicht, dass sie mit John Legend "Don't give up" noch intensiver singen kann als Kate Bush mit Peter Gabriel oder Willie Nelson mit Sinead O'Connor - man muss nur darauf kommen, es mal zu versuchen. Wer Slapkönig Marcus Miller in Montreux mit Eric Clapton reüssieren sah, ahnt, dass der Bassist auch mit Popsängern vom Schlag eines Juanes Großes abliefern kann. Wer schließlich Anoushka Shankars Affinität zu Jazz und Pop kennt, versteht, warum sie mit Chaka Khan und Wayne Shorter "The song goes on" zum Rausschmeißer mit Symbolwert macht: Diese Musik hallt in der Tat lange nach. Die Personalwahl für das "Imagine"-Album ist Hancocks primäre Leistung, Titelwahl und Arrangements stehen dem nicht nach. Und wie gelang es Hancock nur, dem harten Hund Jeff Beck die Krallen so zu stutzen, dass der seine Gitarre sanft wie ein sattes Kätzchen schnurren ließ? (ron)