Es gibt wenige Filme, bei denen ich gestehen muss, sie nicht verstanden zu haben. Dies ist einer davon. Dabei ist die Geschichte, die hier erzählt wird nicht einmal so kompliziert. Es geht um eine Wette, die ein Unsterblicher mit dem Teufel abschließt. Aber warum diese Geschichte erzählt wird, und vor allem, aus welchen Gründen und Motivationen die verschiedenen Teilnehmer an diesem Spiel handeln, so wie sie es denn tun, das ist mir während des Filmes merkwürdig fremd geblieben.
Dagegen sind es viele, einzelne Motive, die einem bekannt vorkommen. Da ist die antiquiert wirkende Zirkus- und Schaustelleratmosphäre, die irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Da ist die Figur des Unsterblichen, der unter seinen Schicksal leidet, so sehr er sich doch als Sterblicher dieses Schicksal gewünscht hat. Da ist die Figur des liebenden Außenseiters, der sich selbst nicht sicher genug ist, um seine Liebe endlich erobern zu können. Da ist die schöne Prinzessin, der Gefahr droht. Da ist der Teufel, der um Seelen kämpft, aber letztendlich vielleicht weniger das Böse will, sondern statt dessen im Auftrag des Guten für Chaos und damit Leben in der Welt sorgt (erinnert sich jemand an die Selbstdefinition von Mephisto in Goethes Faust?). Und dann haben wir noch die Bilderwelten von Terry Gilliam, in denen neben alten, verlassenen Industrie- und Stadtlandschaften diesmal auch eine digitalisierte Form der gezeichneten, surrealistischen Welten aus der guten alten Monty Pythons Zeit eine große Rolle spielt.
So entsteht zumindest bei mir das merkwürdige Gefühl, im Film zuhause, aber in seinen Gestalten fremd zu sein. Und letzteres ist vor allem deshalb merkwürdig, da hier die wichtigste Person - also die zentrale Person der Handlung - von immerhin vier durchaus bekannten Schauspielern gespielt wird, die man auch schon kennen und lieben gelernt hat. Die Aufgabe, in dem unendlichen Spiel zwischen dem Teufel und dem Unsterblichen etwas Unruhe herbeizuführen, fällt nacheinander Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law und Collin Farrell zu. Notwendig war das wohl nicht zuletzt, weil Ledger den Film selbst nicht mehr beenden konnte. Die Lösung, die man dann gewählt hat, führt im Film zu einigen durchaus witzigen Momenten. Aber ob diese etwas mit der Handlung zu tun haben? Wieder verstehe ich etwas nicht.
Geschichten zu erzählen, das wird in einer der Schlüsselstellen des Buches als Grundlage unserer Welt, unserer Existenz bezeichnet. Eine Geschichte steht für sich. Sie braucht keine Erklärung. Und wie das Kabinett des Dr. Parnassus im Film von allen Besuchern auf eigene Weise erlebt wird, erlebt jeder Zuhörer eine Geschichte auf eine andere Weise. Vielleicht ist der Film ja selbst als ein solches "Imaginarium" gedacht, das jeder Zuschauer des Films auf eine eigene Art wahrnehmen soll, genau wie die merkwürdige Welt hinter dem Spiegel, von der hier erzählt wird. Aber zumindest ich kehrte auch aus dieser Welt der Imagination etwas ratlos zurück.