Außergewöhnlich in seiner Art, aber mit bezaubernd schönen und inspirierenden Bildern ist der Animationsfilm The Illusionist des Franzosen Sylvain Chomet, eine LowBudget-Produktion, die 2011 für den Oscar nominiert war jedoch dem Hollywood-Streifen Toy Story 3 den Vortritt lassen musste. Der Film basiert auf einem Drehbuch von Jacques Tati und erzählt in anrühriger Weise vom Niedergang der Kleinkunst und des Varietés zum Ende der 50er Jahre des 20.Jahrhunderts. Der gezeichnete französische Protagonist ähnelt denn auch in verblüffender Weise in der Gestalt und im Benehmen dem Tati-Charakter M.Hulot bzw. dem skurrilen Franzosen selbst.
Er reist, immer wieder aufs Neue von modernen Entwicklungen verdrängt, von den Bühnen in Paris zunächst nach London, um nach einem Abstecher auf die schottischen Inseln Mull und Iona - hier wird gerade die Ankunft der Elektrizität auf der Insel gefeiert und nach dem Auftritt des Zauberers flugs eine Music-Box installiert - schließlich in Edinburgh in Little Joes Hotel, einer etwas zwielichtigen Künstlerabsteige, zu landen. Die schottische Hauptstadt ist dabei in akribischer Genauigkeit nach zeitgenössischen Fotografien aus den 50er Jahren sehr authentisch illustriert und dargestellt. Auch das so zuverlässig wie beständig wechselnde Licht und das schottische Wetter entging nicht der Aufmerksamkeit der Produzenten und Zeichner.
Neben dem Zauberer und seinem weißen, sehr eigenwilligen Kaninchen gehört ein junges Mädchen, Alice, von der Insel Iona zu den gezeichneten Hauptdarstellern. Sie glaubt, dass der große, ältere Herr im Anzug tatsächlich des Zauberns mächtig ist, folgt ihm und begleitet ihn schließlich nach Edinburgh. Ihre jugendlichen und geldintensiven Wünsche, ihre Hoffnung auf ein weniger ärmliches Leben treiben den Zauberer in immer neue Schwierigkeiten, denn er sieht sich außer Stande sie mit der Wahrheit zu konfrontieren. Es wird kaum gesprochen in diesem Film, was sich nur zum Teil auf der natürlichen Sprachbarriere zwischen Frankreich und Großbritannien begründet, Alices wenige Worte sind zudem auf Gälisch. Kommuniziert wird in erster Linie über Blicke, Gestik und Handlungen der Akteure.
Das knapp 80 Minuten lange Werk hinterlässt einen sehr tiefen Eindruck und wirkt lange nach. Man identifiziert sich mit den dargestellten Personen, freut sich und leidet mit ihnen an der alltäglichen Tristesse, wartet womöglich auf das Happy End. Der Film The Illusionist, der nur sporadisch auf 3-D-Effekte setzt, wirkt mit seinen fantastischen Zeichnungen und zauberhaften Illustrationen vor allem im Kino auf einer großen Leinwand, verliert daher leider ein wenig im heimischen Pantoffelkino, deshalb nur vier Sterne. Als Bonus findet sich u.a. ein sehr interessantes, längeres Gespräch mit Sylvain Chomet.