Ich schreibe es nicht gern, aber - ich muß meiner Vorgängerin recht geben. Was in Odd Thomas und beispielsweise auch in Life Expectancy noch nachvollziehbar war: die "Erkenntnis", dass manche Dinge auch einfach *gut* oder *böse* sein bzw. werden können, wenn es um Liebe und Leben von geliebten Menschen geht,- all das wirkt hier wie der dritte Aufguß mit nur halb so authentischen Charakteren.
Als Beispiel fällt mir spontan die Figur des "Husbands" selbst ein (bezeichnenderweise ist mir der Name bereits entfallen), der komplett ohne Zuneigung durch die Eltern (beides Psychologen, die die Kinder wie Laborratten nach der Maxime, daß der Stärkere überlebt, erzogen haben) aufwächst. Woher nimmt er seine innere Stärke, seine enorme Liebesfähigkeit und seine Güte - doch wohl nicht vom natterngleichen Bruder, der ihn zwar als Kind "beschützt" hat, doch...aber lest selbst. Hier entsteht eine (sorry) eierlegende Wollmilchsau: der perfekte, liebe Psychopath, äh doch nicht lieb. Oder doch? Nö.
Das ist nicht meine Idee, so läuft es halt im Buch...
Ich nehme jetzt mal zwei jüngere Werke als Referenzpunkt, dei denen ich das teilweise "Banale" sehr geliebt habe - ich fand es schön, wie Koontz mein altes Skeptiker-Herz für Odd, Elvis und Konsorten höher schlagen ließ.
Bei Odd Thomas nimmt man der Figur die besondere Naivität ab, seine Liebe für seine Freundin verwundert nicht im mindesten, auch nicht, daß sie ihn mindestens genau so sehr liebt, *obschon* er ein überdurchschnittlich liebenswerter Typ ist; in Life Expectancy steht eine tolle Familie im Hintergrund, die Hoffnung macht, die Liebe ganz selbstverständlich gibt und hier außergewöhnliche Helden mit-"erkärt" - aber bei The Husband scheint nur noch das Gute und das Böse zu existieren, einfach so, "naturgegeben" - die Menschen sind Engel oder Teufel, als ob Koontz sich gesagt hätte: erklärt hab ich das und die unwichtige Nebensache, wie es dazu kommen könnte, doch alles schon mal. Deshalb hab ichs diesmal gleich übersprungen.
Leider verliert das Buch damit genau das, was mich überhaupt an den letzten Büchern noch interessiert hatte: die interessante Spekualtion über Wege dahin. Und wieso man ihm das alles manchmal fast glauben möchte. Diesmal merkt man genau, wenn Koontz versucht, einen zu kriegen, auch wo ,und wie.
Alles scheint abergläubisch-fatalistisch und religiös zugleich, die sonstige Koontzsche Wärme kommt bei mir diesmal ein wenig lehrer/missionarshaft an.
Ich hoffe, das nächste Buch wird mit etwas mehr "echten" Charakteren aufwarten können, die dann mit dem Schuß Magie oder whatever ausgestattet werden. Und nicht so, als sei nature or nurture schon längst erschöpfend beantwortet.
Die 2.5 Sterne (hier ergibt das 3) kriegt er dafür, daß das Buch trotzdem kurzweilig zu lesen ist, perfekt für ne Zugfahrt. Und dafür, daß es trotz allem sprachlich deutlich über dem Niveau des durchschnittlichen Thrillers liegt. Ein halber Extrapunkt auch für former glory, von einer treuen Leserin ;-)
Hoffen wir also auf den nächsten Koontz.
Oder mit dem Mantra der Bäckersfamilie aus Life Expectancy:
"As long as there is cake there is hope. And there is always cake."