New Yorks High Society am Anfang des 20. Jahrhunderts. Lily Bart wurde dazu bestimmt, in Luxus zu leben. Leider hat ihr Vater sich finanziell ruiniert und sie ist auf die Großzügigkeit ihrer Tante und ihrer reichen Freunde angewiesen. Ihr Ziel ist es, einen reichen Mann zu heiraten, um auf alle Ewigkeit finanziell abgesichert zu sein. Sie sucht sich einen Langeweiler aus und lässt ihre Verführungskünste spielen. Leider verliebt sie sich gleichzeitig in einen weniger wohlhabenden Mann und verspielt ihre Chance. Stattdessen nimmt sie das Angebot eines verheirateten Mannes an, mit ihrem kleinen Einkommen zu spekulieren, und merkt zu spät, dass sie für diese Dienste bezahlen soll. Um dieser Verpflichtung zu entkommen, flieht sie auf eine Mittelmeerfahrt auf Einladung eines Ehepaares hin. Doch auch hier wird sie von der Frau nur benutzt und öffentlich bloßgestellt. Als zur selben Zeit ihre Tante stirbt und sie enterbt, wird sie mittellos und aus der Gesellschaft ausgestoßen zurückgelassen. Auch ihr Versuch zu arbeiten scheitert. Ihr Untergang scheint unumgänglich.
Wer den 15 Jahre später geschriebenen Roman "The Age of Innocence" kennt, weiß, wie gut Wharton es versteht, die Zwänge, Intrigen, Verschwendungen und Liebeleien der High Society in New York darzustellen. In diesem Fall steht der Aspekt der auswegslosen Tragik einer Figur besonders im Vordergrund, deren Weg bereits durch ihre Kindheit vorbestimmt scheint. Die Gesellschaft erwartet Geld, Verschwendung, Luxus, Schweigen. Sie akzeptiert die Intrigen der Hochgestellten, um selbst anerkannt zu bleiben, selbst wenn sie die Ungerechtigkeit dahinter durchschaut. Heiraten darf man nur innerhalb des Kreises. In Lily schafft Wharton eine Heldin, die es trotz ihrer berechnenden Pläne nicht schafft, diese bis zuletzt zu verfolgen. Im Kern ist sie gut. Sie ist mutig und fragt praktisch mehrere Männer, ob sie sie heiraten wollen. Trotz ihrer von der Gesellschaft injuzierten Vorurteile gegenüber armen Menschen sucht sie mehrere Male Zuflucht bei einer armen, alleinstehenden Freundin. Ihre Chance wäre gewesen, das Leben dieser Freundin als eigene Möglichkeit anzuerkennen. Doch sie muss scheitern, um das zu erkennen. Dann ist es aber schon zu spät für sie. Noch viele Aspekte von Whartons Beobachtungen der New Yorker Gesellschaft könnten erwähnt werden, aber besser ist es doch, dieses sehr zu empfehlende Buch in seinem Reichtum selbst zu lesen.