Wie alle vorangegangenen Rezensionen, bin ich auch nur voll des Lobes für diesen Film. Die Ausstattung ist nicht nur beeindruckend, sie erscheint auch authentisch und gibt einen überzeugenden Hintergrund für die Geschichte der Lily Bart ab.
Diese Geschichte selbst ist ebenso ansprechend wie tragisch. Lily Bart, die, wie es im Film heisst, immer die "falschen Dinge zur richtigen Zeit" bzw. "vice versa" tut, erleidet ihr Schicksal hin- und hergerissen zwischen den Ansprüchen die ihrem sozialen Status geschuldet sind und moralischem Zögern. So wird sie letztlich durch diesen Konflikt aufgerieben und verliert mehr als ihren sozialen Status.
Etwas überrascht hat mich die Anfangssequenz des Films, in der die Zuschauerin sozusagen mitten ins Geschehen geworfen wird, und in einer einzigen Szene die Beziehung der Charaktere Lily Bart und Lawrence Seldon erahnen muss. Interessanterweise gelingt das hervorragend, und durch die Interaktion dieser beiden gewinnt man Einblicke nicht nur in eine möglicherweise romantische Liebesgeschichte, sondern auch in die komplexe Figur der Lily Bart.
Hervorzugeben ist meiner Meinung nach nicht nur die wirklich beachtliche Leistung Gillian Andersons, die in historischem Gewand schön wie ein Gemälde ist, sondern auch Eric Stoltz als Seldon. Er spielt diesen ebenfalls in sozialem Statusdenken verharrenden Charakter mit großem Charme und bezwingendem Understatement. Durch hervorragendes Casting und zwei wirklich talentierte Schauspieler entsteht eine Chemie, welche andere Edith Wharton Verfilmungen zwischen ihren Akteuren vermissen lassen.
Ebenfalls lobend zu erwähnen sind Laura Linney und Dan Akroyd, welche die weniger konfliktgetriebenen als -treibenden Charaktere in diesem Drama spielen. Sehr überzeugend!
Alles in allem ein fabelhafter Film, der nur zu empfehlen ist.